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Predigt über Numeri 11, 11-12.14-17.24.25

Pfarrer Dietrich Denker (ev)

28.05.2012 in der ev. Hauptkirche zu Rheydt und im Bethaus Pongs der ev. Kirchengemeinde Rheydt

Dreiteilige Reihenpredigt gehalten in aufeinanderfolgenden Gottesdiensten zu Pfingsten 2012

Dreiteilige Reihenpredigt über das biblische Zeugnis vom Heiligen Geist.
I: Der Geist Gottes und die Geistträger des Ersten Bundes
Numeri 11, 11-12.14-17.24.25
II: Die Fülle des Geistes Gottes in Christus
(Joh. 10,30; 14,6-9.16.17)
III: Die Frucht des Geistes Gottes in der Welt
und die Gemeinschaft der Heiligen. (Eph.4,11-16)

insgesamt: 14 Seiten

 

 

I: Der Geist Gottes und die Geistträger des Ersten Bundes
Numeri 11, 11-12.14-17.24.25

  1. Predigt am Pfingstsonntag, 27.5.2012, 9.00 Uhr, Hauptkirche Rheydt

Gruß:

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem HERRN, Jesus Christus. AMEN

Komm, Schöpfer- Geist!

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer und es war finster auf der Tiefe. Und der Geist Gottes (in der hebräischen Sprache ist das hier benutzte Wort ein Femininum: „ruach“, die Geistin) schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: es werde Licht!“

So fängt die Bibel an. 1. Mos. 1,1-3. Und hier schon ist vom Geist Gottes die Rede. Vor Beginn allen Lebens und allen lebendigen Seins ist er da: Der Geist Gottes, durchwirkt vom Anbeginn der Welt an alles Leben. Und seine Wirkkraft ist gebunden an das Wort: „Und Gott sprach.“ Durch das gesprochene Gotteswort wird die Macht seines Geistes dingfest gemacht. Er nimmt Form an. Wird wahrnehmbar und erfahrbar. Er wird spürbar als geheimnisvolle Schöpferkraft und Lebensenergie. So weht der Geist Gottes durch die ganze Schöpfung, er macht lebendig: Frühling, Farbenpracht, wundervolle Schöpfung, Vögel, Fische, Tiere, Menschen, alles, was lebt, ist durchwirkt von Gottes Geist, der Leben schafft und Lebendigkeit.

Sozusagen ist die ganze Schöpfung der Raum, in dem Gottes Geist Wohnung nimmt. Einerseits tut Gottes Geist das sehr konkret als die Lebenskraft, die in allem Lebendigen steckt. Andererseits bleibt Gottes Geist dabei aber „anonym“. Überall, ohne konkrete Zuweisung zu bestimmten Lebewesen, einzelnen Menschen oder Naturereignissen, nimmt Gottes Geist als Lebenskraft Raum ein in der Welt. –

Nun ist der Geist Gottes aber nicht nur diese namenlose, weltumspannende Lebensenergie oder die Kraft zum Leben, die alles durchwirkt. In der Bibel wird sie auch im Alten Testament, also in den Schriften vom ersten Bund Gottes mit den Menschen, sehr konkret sichtbar in Menschen, die in besonderer Weise Gottes Geist tragen. Mose war ein solcher Mensch. Aber auch die Propheten oder Abraham, Isaak und Jakob gehören dazu. Allerdings wird es uns bei Mose besonders deutlich.

So steht als erster Bibeltext meiner Predigten zum Pfingstfest nun eine Lesung aus 4. Mos. 11, 11-12.14-17.24.25:

Lesung:

11 Und Mose sprach zu dem HERRN: Warum bekümmerst du deinen Knecht? Und warum finde ich keine Gnade vor deinen Augen, dass du die Last dieses ganzen Volks auf mich legst?
12 Hab ich denn all das Volk empfangen oder geboren, dass du zu mir sagen könntest: Trag es in deinen Armen, wie eine Amme ein Kind trägt, in das Land, das du ihren Vätern zugeschworen hast?

14 Ich vermag all das Volk nicht allein zu tragen, denn es ist mir zu schwer.
15 Willst du aber doch so mit mir tun, so töte mich lieber, wenn anders ich Gnade vor deinen Augen gefunden habe, damit ich nicht mein Unglück sehen muss.
16 Und der HERR sprach zu Mose: Sammle mir siebzig Männer unter den Ältesten Israels, von denen du weißt, dass sie Älteste im Volk und seine Amtleute sind, und bringe sie vor die Stiftshütte und stelle sie dort vor dich,
17 so will ich herniederkommen und dort mit dir reden und von deinem Geist, der auf dir ist, nehmen und auf sie legen, damit sie mit dir die Last des Volks tragen und du nicht allein tragen musst.

24 Und Mose ging heraus und sagte dem Volk die Worte des HERRN und versammelte siebzig Männer aus den Ältesten des Volks und stellte sie rings um die Stiftshütte.
25 Da kam der HERR hernieder in der Wolke und redete mit ihm und nahm von dem Geist, der auf ihm war, und legte ihn auf die siebzig Ältesten. Und als der Geist auf ihnen ruhte, gerieten sie in Verzückung wie Propheten und hörten nicht auf.

Gebet:

Herr, gib uns blinde Augen für Dinge, die nichts taugen. Und schenk uns Augen voller Klarheit zu schauen deine Wahrheit. AMEN

Mose - ein Geistträger des Ersten Bundes

Mose ist ein Geistträger. Auf ihm ruht der Geist Gottes. Er steht wie kein anderer für den „Ersten Bund Gottes mit seinem Volk Israel am Sinai. Mose ist der Mittler zwischen Gottes Willen, Gottes Kraft, Gottes Herrlichkeit und den Menschen in ihrem Wüstenalltag. Auf Mose ruht Gottes Geist. Im 2. Buch Mose wird uns sogar geschildert, dass Mose ein verklärtes, leuchtendes Antlitz hatte, so dass er, wenn er vor das Volk trat, eine Maske tragen musste um das Volk nicht zu blenden.

Mit Mose haben wir einen Geistträger „par excellence“. Gottes Glanz, Gottes Vollmacht und Gottes Wille durchströmen sein Leben. Und trotzdem ist er einfach ein Mensch, der seine Grenzen hat. Auch der Geistträger ist nicht in der Lage Unmenschliches zu leisten. Gottes Geist ist eben doch etwas anderes als „Red Bull“. Er verleiht keine Flügel, mit denen der Mensch über alle Nöte und Belastungen des Lebens hinwegfliegen könnte. Im Gegenteil: Er stellt in die Verantwortung. Er beauftragt zum Dienst. Er macht Arbeit. Mose hat dem Volk Israel je und je Gottes Willen mitzuteilen, für Recht und Ordnung, sprich für Frieden zu sorgen und er soll das Volk auch noch den richtigen Weg führen.

Gott verlangt hier eigentlich Unmögliches von einem einzelnen Mann. Mose hat das Leben, ihm ist eine große Menge an Kraft und Vollmacht verliehen und er steht nahe bei Gott. Mose hört Gottes Wort und sagt es weiter. Er lebt als Geistträger vorbildlich, aber die Kraft reicht dann doch nicht. Geistträger sein und eine Überlastungsdepression? Nein.

Auch das Beten gehört zu dem Wirken des Geistes Gottes hinzu. Der Geist Gottes hilft unserem Geist auf! So sagt es Paulus im Römerbrief. Und in der Tat, wir sehen auch hier im 4. Buch Mose:
Mose klagt Gott sein Leid. Er betet. Er heult sich bei Gott aus! Er erzählt Gott, wie sehr er an seine Grenzen gekommen ist. Und Gott? Gott zeigt ihm sofort Entlastungsmöglichkeiten auf: Teile die Verantwortung! sagt er ihm und verspricht zugleich: Ich werde nicht nur dich, sondern auch andere zu Geistträgern machen.

Geistträger-sein – eine teilbare Gabe und Aufgabe

Gott besucht das Herz seiner Kinder. Ein kleines Pfingstfest wird uns hier geschildert:
Mose sucht sich die Amtsleute heraus. 70 tüchtige Mitarbeiter. Menschen, die lebenstüchtig und vorbildlich ihre Lebensdinge angepackt haben. Und Gott nimmt von der Macht seines Geistes, die er Mose aufgelegt hat, und verteilt sie. Gott nimmt Verantwortung, Lasten und Pflichten und das diesen Aufgaben angemessene Maß an Geisteskraft von Mose. Er passt auf, dass ihn Gabe und Aufgabe nicht erdrücken, und teilt beides, Gabe und Aufgabe, auf 70 Schultern.

So nimmt Gottes Geist Wohnung in den Herzen seiner Kinder! Hier in den Geschichten Gottes mit seinem Volk geschieht das noch ganz individuell. Aufgaben und Gaben werden geteilt!

Gottes Geist ist Aufgabe und Gabe. Er stellt in die Verantwortung. Aber er überfordert die Verantwortungsträger nicht. Wem es gelingt, wie Mose, mit Gott im Gespräch zu bleiben und mit ihm über die eigenen Aufgaben zu reden und auf ihn zu hören, der macht die Erfahrung:
Gottes Geist lehrt uns, weise und klug zu sein und zu handeln, Selbstüberforderung sein zu lassen. Zugleich lädt er aber auch ein zur Mitarbeit, zur Verantwortungsübernahme. Wohl gemerkt: Das Maß der Verantwortung und der Mitarbeit bestimmen dann nicht wir, sondern Gott.

Wo Menschen, wie Mose als Geistträger des Ersten Bundes unterwegs sind, da erfahren sie: Gott gibt mir die Kraft, die ich brauche. Er fordert mich, aber er überfordert mich nicht! Gottes Geist lehrt uns, Lasten zu teilen und füreinander einzustehen. – An dieser Wirkmacht des Geistes Gottes hat sich bis heute nichts geändert.

Und: Gottes Geist zeigt den Weg des Friedens:

Aufgabe und Ziel der Geistträger des Ersten Bundes: „SCHALOM“ Gottes für die Welt.

Auch das wird in unserem alttestamentlichen Text deutlich: Schalom, Frieden und Gerechtigkeit sind das Werk des Geistes Gottes.
Die 70 Ältesten sorgen für Rechtsprechung in Israel, treten als Streitschlichter auf, als Moderatoren von Entscheidungsprozessen, als Gruppenverantwortliche, die je und je mit ihrer Mitarbeit zum Zusammenhalt und zum Frieden im Volk sorgen. Sie werden zu Wellenbrechern, wenn der Volksfrust aufbraust oder die Unzufriedenheit in den kleinen oder größeren Streitigkeiten ausbricht.

Auch politischer Frieden, Gerechtigkeit, gelingendes Miteinander in einem Volk, einer Gruppe von Menschen gehört zu dem, was Gottes Geist bewirkt. Ganz exklusiv bewirkt er es durch die Geistträger des ersten Bundes für das Volk Israel.

Mose und die 70 Amtsleute werden zu den geistigen Vätern der Führerinnen und Führer des Volkes Israel in der Geschichte des Bundes Gottes mit seinem Volk. Richter, wie Samuel, Könige, wie David und Salomo oder später dann die Propheten, sie alle sind solche Geistträger, die dem Gottesvolk den Weg weisen im Auftrage Gottes. Sie mahnen, sie trösten, sie führen das Volk Israel in der Kraft des Geistes Gottes. Und doch bleiben sie, wie Mose, Menschen mit Haut und Haaren und ihren je und je eigenen Grenzen und Fehlern.

Dennoch werden sie zu Lichtgestalten und Wegweisern des Volkes Israels und auch von uns Christen, die wir von ihren Geschichten und Worten hören.

Der Geist Gottes, die Geistträger des Ersten Bundes -und wir Christen?

„Der Geist Gottes und die Geistträger des Ersten Bundes“ so habe ich diese Predigt übertitelt. Gottes Geist durchweht die ganze Schöpfung. Alles Leben kommt von ihm.
Er ruht in besonderer Weise auf Menschen, die im Auftrage Gottes, Gottes Volk führen, Gottes Willen verkünden, Frieden schaffen und Gerechtigkeit und Recht aufrichten in der Welt.

In dieser Spur der Geistträger des Ersten Bundes sind auch wir Christen unterwegs. Mit dem Pfingstfest ist der Geist Gottes ausgegossen auch auf uns, die wir an Jesus Christus glauben. Im neuen Testament, im Bund Gottes, geschlossen durch das Leben, Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi, stehen wir in der Nachfolge des vollkommenen „Geistträgers“ Jesus Christus. Deshalb:

Danken wir Gott für alle Lebens- und Schaffenskraft, die er uns schenkt.
Begabt und beauftragt von Gott, sind wir in der Kraft seines Geistes als Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu unterwegs. Er stellt auch uns in die Verantwortung für die Welt:
Es gilt, Frieden zu machen, Gerechtigkeit und Recht aufzurichten und der Welt den guten Willen Gottes bekannt zu machen in Worten und Taten
.

So kann dann auch bei uns etwas sichtbar werden von der besonderen Kraft und Vollmacht des Geistes Gottes, der in uns wohnt. AMEN

II: Die Fülle des Geistes Gottes in Christus
(Joh. 10,30; 14,6-9.16.17)

2. Predigt am Pfingstsonntag, 27.5.2012, 10.30 Uhr, Hauptkirche Rheydt

Gruß:

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem HERRN, Jesus Christus. AMEN

Komm, Schöpfer- Geist!

„Veni creator spiritus“, zu Deutsch: „Komm, Schöpfer-Geist!“ so singt es die Kirche seit Hrabamus Maurus 809 nach Christus. Wir feiern Pfingsten immer wieder. Wir feiern es noch annähernd 2000 Jahre nach dem eigentlichen Pfingstereignis. Die Bitte: „Komm Schöpfer Geist, kehr bei uns ein und lass uns deine Wohnung sein“ geht alle die Jahrhunderte mit uns Christen mit.

Das wünschen wir uns nämlich nicht nur zu Pfingsten:
Die Kraft des Geistes Gottes möge mächtig in unserem Leben und in unserer Welt sein. Eine Kraft zum Guten. Lebensenergie. Segen. Gott soll auch unter uns in der Kraft seines Geistes Frieden, Gerechtigkeit, Glauben, Trost und Zuversicht Gestalt werden lassen. Tag für Tag. Heil und Leben satt! Hilfe, Gesundheit, Lebensfreude.
Und: Je und je leuchtet von diesem Geist Gottes etwas auf in unserer Welt. Heute Morgen haben wir von den Geistträgern des Ersten Bundes, von einem Mann wie Mose z.B., gehört. Und von dem Geist Gottes, der alles Leben, alle Schöpfung durchweht. Die wunderschönen Maimorgen mit ihrem lichten Grün und dem Gesang der Vögel gehören ja auch irgendwie dazu. Allerdings: In alle dem ist die Gegenwart des Geistes Gotts nur ein Schein, ein Leuchtstrahl, der aus Gottes Welt hinüber leuchtet in unser Leben. Ein Flackern mehr denn ein Leuchten. Sonst würden wir nicht immer wieder beten: „Komm, Schöpfer Geist.“

Von Jesus wird uns erzählt, dass in ihm die Fülle des Geistes Gottes ruht. Ja, dass er die Personifizierung Gottes, bildlich gesprochen, die „formatierte Gestalt“ des Geistes Gottes ist. In Jesus ist Gottes Geist vollkommen.

Im Johannesevangelium lesen wir deshalb:

Lesung:

Jesus spricht in Johannes 10,30:
„Ich und der Vater sind eins.“

Und später dann in Johannes 14 sagt er:

6 (… ) Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.
7 Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.
8 Spricht zu ihm Philippus: Herr, zeige uns den Vater und es genügt uns.
9 Jesus spricht zu ihm: So lange bin ich bei euch und du kennst mich nicht, Philippus?
Wer mich sieht, der sieht den Vater!

16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit:
17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

Gebet:

Herr, gib uns blinde Augen für Dinge, die nichts taugen. Und schenk uns Augen voller Klarheit zu schauen deine Wahrheit. AMEN

Jesus Christus der vollkommen Geistträger

Auf der Suche nach dem Wirken des Geistes Gottes und nach einem Menschen, in dem der Geist Gottes vollkommen und ungehindert sichtbar wird, verweist uns der pfingstliche Predigttext auf Jesus Christus.
Du sehnst dich nach Frieden, Gerechtigkeit, Rettung und Heil?
Dann schau auf Jesus: Er hat Frieden gemacht, Gerechtigkeit gelebt, Rettung gepredigt. Die Menschen mit Gott versöhnt.
Du fragst nach Gottes unbändiger Lebenskraft in deinem Leben?
Dann schau auf Jesus. Er hat den Tod besiegt, das vollkommene, ewige Leben hervorgebracht. Im Glauben an ihn und durch ihn hast du Anteil an diesem neuen Leben. „Ich lebe und du sollst auch leben“, sagt Jesus dir.

Jesus ist dein und mein Weg zur Wahrheit. Er ist die Quelle, an der wir von Gottes Geist erfüllt und erquickt werden. Auf der Suche nach dem Wirken des Geistes Gottes führt kein Weg an Jesus vorbei. Im Gegenteil alle Wege zu Gott führen über ihn.

Anders als die Geistträger des ersten Bundes, die immer zuallererst und auch ausschließlich Menschen waren mit Gaben und Grenzen, Schuld und Fehlern – anders als sie, ist Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch. In ihm vollendet sich, was Gottes Geist in uns Menschen und in dieser Welt ins Werk zu setzen vermag. Jesus ist der vollkommene Träger des Geistes Gottes. D.h. nun konkret:

Er ist der einzige Weg zu Gott.

In ihm wird Gottes Kraft und Willen, ja Gott selbst, sichtbar

Er ist die stabile Verbindung zwischen Gottes Geist und uns Menschen.

Jesus – der Weg zu Gott

Jesus ist in seinem Wort ganz eindeutig: „Wer in den Machtbereich des Vaters im Himmel eintreten will, kann das nur über mich“, sagt Jesus. „Ich bin die Tür zum Vater.“
Von Gottes Lebenskraft ist zwar hier und dort auf Erden immer wieder etwas zu sehen. Sein Geist, seine Segenskraft, sein Frieden und alles Schöne und Lebendige sind sichtbar in der Welt. Spuren des Geistes Gottes sind in allem, was lebt. Aber wer so richtig Kraft aus der Höhe, Glaubenshoffnung, Zuversicht und Trost im Leben sucht, findet das erst in der Verbindung mit Jesus.
Die zunächst gestaltlos und unpersönlich als Geisteskraft daherkommende Liebes- und Lebenskraft des Himmels, wird in Jesus geerdet. In Jesus nimmt Gott, in Jesus nimmt Gottes Geist sichtbare Gestalt an:

Schon in der Geburtsgeschichte hören wir den Engel zu Maria sprechen: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes Sohn genannt werden.“ (Lk. 1,35)
Später dann in der Geschichte der Taufe Jesu hören wir es wieder: „Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn.“ (Mk 1,9.10)

Nirgendwo sonst auf Erden, als in diesem menschgewordenen Gottesssohn, ist die Kraft des Geistes Gottes so fokussiert. Hier kommt in der Tat der Himmel auf die Erde.

Wer sich an diesen Jesus hält, der findet den Weg zu Gott. Oder besser: Zu dem hat Gott den Weg gefunden. Und von Jesus aus wird die Kraft des Geistes Gottes nicht mehr so verteilt, wie wir das von Mose gehört haben (da nahm Gott ja etwas von der Gabe und Aufgabe des Geistes Gottes von Mose und verteilte es auf 70 Mitarbeitende, die ihm helfen sollten, das Volk zu führen und den Frieden in Israel aufrechtzuerhalten). In Jesus hat die Kraft des Geistes Gottes ungedämpft und vollkommen Wohnung genommen in der Welt. In Zeit und Raum, in der Geschichte des wahren Menschen Jesus Christus, der zugleich auch wahrer Gott ist, wird der Geist Gottes zur Person der Geschichte. Und das in Vollendung. Und jetzt spricht man nicht mehr nur vom Geist Gottes, sondern vom „Heiligen Geist.“

Er ist die Kraft Gottes, die Menschen heiligt. Mit Jesu Werk und Leben werden wir hineingenommen in Gottes Machtbereich. Wir werden „geheiligt“, wie die Schrift es formuliert. Geheiligt sein heißt: In Gottes Machtbereich, in Gottes Gegenwart hineingestellt sein. Gottes Heiliger Geist macht in Jesus Station in der Welt und alle, die sich mit Jesus verbinden, die da glauben und getauft sind, werden verändert, geheiligt. Jetzt gehören sie zu Gott, so wie Jesus zu Gott gehört. Jesus ist so unser Weg zum Vater. Unser Weg zu Gott!

Unser Predigttext kann es auch noch anders sagen:

Jesus sehen – heißt Gott sehen

Wer Jesus kennt, wer auf ihn schaut, der sieht Gott selbst und was Gott will: Kranke werden geheilt, Blinde werden sehend, Lahme stehen auf, Tote werden zu neuem Leben erweckt und auch den Armen und Ausgestoßenen wird Gutes verkündigt. Jesus steht mit allem was er tut und sagt und lässt für das ein, was zu Gott gehört. Mit ihm beginnt das Reich Gottes Wirklichkeit zu werden: Liebe, Güte, Barmherzigkeit. Aber auch: Wahrheit, Gerechtigkeit und Recht! All das ist durch und durch Teil der Existenz des wahren Menschen und wahren Gottes, Jesus Christus. Liebe, die bis zum äußersten geht, bis zum Tod. Gnade und Vergebung von Schuld – all das zieht in Jesus und seiner Lebensgeschichte in vollendeter Form ein in der Welt. Die Macht des Geistes Gottes ist so groß, dass auch der Tod Jesus nicht festzuhalten vermag.

So wirkt und strömt der Heilige Geist in unserer Welt und steht in Jesus Christus ein für neues, ewiges Leben über den Gräberfeldern der Geschichte.
Ja, wer Jesus sieht, wer Jesus kennt, der sieht und kennt Gott.

So sehr ist Jesus Geistträger, dass Gott selbst in vollkommener Weise und ungehindert in ihm erkennbar wird. In Jesus, seinem Sohn, erhält Gott ein Gesicht auf Erden. In ihm verbindet er sich mit Fleisch und Blut, wird irdisch und bleibt doch zugleich Gott.

In dieser Einheit von Vater und Sohn im Heiligen Geist liegt der Grund beschlossen für die Lehre von der Dreieinigkeit Gottes. Also: Jesus sehen, heißt den vollkommenen Geistträger sehen, heißt Gott sehen. Zu Jesus gehören, heißt zu Gott gehören, heißt hineingenommen zu sein in den Machtbereich des Reiches Gottes. Zu Jesus gehören, getauft sein und an ihn glauben heißt: Geheiligt sein, Kind Gottes, Miterbe der Heiligen zu sein. Oder anders gesagt:

Zu Jesus gehören – heißt mit Gott in besonderer Weise verbunden sein.

Alle Menschen sind Gottes Kinder. Er hat sie gemacht. Das stimmt.

Und doch ist ein Gotteskind im Sinne des neuen Testamentes, im Sinne des zweiten Bundes Gottes mit uns Menschen, noch einmal mehr. Wer im Glauben an Jesus mit Gott verbunden ist, für den gibt es einen Verbindungsstrang in den Himmel, eine Standleitung zu Gott und der Kraft seines Geistes. Gottes Macht, Gottes Kraft strömt in besonderer Weise in das Leben dieser Gotteskinder:

Sie sind voll Vertrauen auf Gottes Hilfe. Sie wissen in allen Ängsten des Lebens: Ich bin mit dem verbunden, der die Welt und ihre Ängste überwunden hat. Im Gelingen und Misslingen meines Lebens vertraue ich darauf, dass mir alle Dinge zum Besten dienen.

Gotteskinder erkennen den Willen Gottes für ihr Leben und das Miteinander von uns Menschen. Sie finden die Kraft, selbst zu vergeben, aufzubauen, zu helfen und zu trösten. Sie sind verbunden mit einer unbändigen Liebesmacht, die ihnen je und je hilft, selbst langmütig, geduldig und sanftmütig zu sein und die Wahrheit zu lieben.
Gotteskinder wissen: Im Leben und im Sterben gehöre ich hinein in Gottes Reich. Hier habe ich ein Zuhause in der ewigen Gemeinschaft der Heiligen.

Mit all diesem Wissen und Glauben und der Zuversicht, im Leben und im Tod zu Gott zu gehören, haben Gotteskinder je und je Anteil an der Kraft des Heiligen Geistes.

Die Fülle des Geistes Gottes - vollendet in Christus

Durch Jesus, in ihm, durch ihn und mit ihm nimmt Gottes Heiliger Geist Wohnung in der Welt und auch in deinem Leben. Mit Jesus beginnt etwas Heiliges und Ewiges in uns Wohnung zu nehmen.
Und trotzdem wissen wir: So ungedämpft und vollendet, wie bei Jesus, ist dieser Heilige Geist in uns nicht. Wir bleiben immer beides: Heilige und Sünder, Menschen, die Gott gerecht gemacht hat und die doch je und je von Gottes Gnade und Barmherzigkeit leben.

Aber allein, dies zu wissen, zu bekennen und zu bezeugen, zeigt uns:
Wir sind in Jesus mit Gott verbunden. Und wenn wir auf Jesus schauen, dann sehen wir, wie Gott sich unser Leben denkt. Wenn wir auf Jesus schauen, dann sehen wir auch, wie Gott ist: Gnädig, barmherzig, tüchtig zu allem guten Wort und Werk. Ein „Backofen voller Liebe“, wie Luther es sagen konnte. So werden in Jesus die Kraft und die Macht des Heiligen Geistes in vollendeter Form und unverrückbar Teil unserer Welt.
Und da, wo wir auf ihn schauen und an ihn glauben, wird die Kraft und die Macht des Heiligen Geistes auch ein unverrückbarer Teil unseres Lebens.

AMEN

III: Die Frucht des Geistes Gottes in der Welt
und die Gemeinschaft der Heiligen. (Eph.4,11-16)

Predigt am Pfingstmontag, 28.5.2012, 10.00 Uhr Bethaus Pongs

Gruß:

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und unserem HERRN, Jesus Christus. AMEN

Komm, Schöpfer- Geist!

Auf der Spur des Heiligen Geistes durch die Schrift haben wir jetzt eine weite Reise hinter uns gebracht: Begonnen hat sie mit dem Geist Gottes als der Schöpferkraft vom Anbeginn der Bibel, über den auf die alttestamentlichen Geistträger, wie Mose, die Richter, Könige und Propheten, ausgegossenen Geist Gottes bis hin zum vollkommenen Geistträger Jesus Christus, in dem sich uns Gott selbst zeigt. Und wir haben je und je festgestellt: Gottes Geist hat eine lange Wirkungsgeschichte. Und er wirkt auf vielfältige und mannigfache Art und Weise hinein in diese Welt. Die Lebens- und Liebeskraft Gottes zieht sich wie eine unbändige Kraft zum Guten und zu Segen durch die Geschichte der Welt und die Geschichten der Bibel.

Am Ende erzählt die Bibel nun davon, wie wir selbst zu solchen Trägern des Heiligen Geistes werden. Wir Christen sollen mit unseren Leibern „Tempel des Heiligen Geistes“ sein. Wir sollen also Menschen sein, die ganz im Sinne Jesu unterwegs sind. Als solche sind wir von Gott begabt und beauftragt Gutes zu tun. Wir tragen den Geist der Wahrheit in uns und erkennen, was recht ist und was falsch. Menschen, die fest stehen im Gottvertrauen. Menschen, die in der Vollmacht Gottes reden und handeln. Menschen, die in der Gemeinschaft der Kinder Gottes einander mit ihren Gaben helfen und mit bauen am Reich Gottes in der Welt.
Als mit dem Heiligen Geist getaufte und beschenkte Menschen sind wir als Christen selbst „Heilige“. Befähigt zu allem guten Wort und Werk, ganz im Sinne Jesu und in der Fülle der Macht seiner großen Liebe. Eine große Sache ist es, an der wir da Anteil haben: Leben im Geist und der Vollmacht Gottes.
Nun stellt sich die Frage, wie die Frucht dieses Geistes Gottes in uns und in der Gemeinschaft der Heiligen aussehen kann.

Der Epheserbrief schreibt dazu u.a. das Folgende:

Lesung: Epheser 4,11-16;

11 Und er hat einige als Apostel eingesetzt, einige als Propheten, einige als Evangelisten, einige als Hirten und Lehrer,
12 damit die Heiligen zugerüstet werden zum Werk des Dienstes. Dadurch soll der Leib Christi erbaut werden,
13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zum vollendeten Mann, zum vollen Maß der Fülle Christi,
14 damit wir nicht mehr unmündig seien und uns von jedem Wind einer Lehre bewegen und umhertreiben lassen durch trügerisches Spiel der Menschen, mit dem sie uns arglistig verführen.
15 Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus,
16 von dem aus der ganze Leib zusammengefügt ist und ein Glied am andern hängt durch alle Gelenke, wodurch jedes Glied das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft und macht, dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe.

Gebet:

Herr, gib uns blinde Augen für Dinge, die nichts taugen. Und schenk uns Augen voller Klarheit zu schauen deine Wahrheit. AMEN

Die Frucht des Geistes Gottes in der Welt

Im Blick auf die Gemeinschaft der Heiligen, also im Blick auf die geglaubte und erlebte Kirche sind die Früchte des Geistes Gottes unübersehbar:

Menschen, die beauftragt und zugerüstet sind zu einem besonderen Dienst

Es gibt sie: Lehrer, Propheten, Evangelisten, Pastöre (Hirten). In späteren Briefen kommen dann auch noch andere Ämter hinzu: Der Diakon, der Bischof, der Vorsteher oder Leiter der Gemeinde. Alle diese Ämter, alle diese Begabungen in der Gemeinschaft der Heiligen sind Früchte des Geistes. Eine Kirche mit vielen Ämtern ist eine „reiche“ Kirche.
Allerdings machen es nicht die Ämter an sich, sondern die Fülle der Kraft Gottes in den Amtsträgern macht es am Ende aus, ob die Kirche als Leib Christi auferbaut wird oder nicht. Es gibt keine Frucht qua Amt. Sondern immer nur Frucht durch das Wirken des Geistes Gottes in den Amtsträgern und in den Mitarbeitenden. (Das galt auch schon für die Amtsleute des Mose, die sie aus dem ersten Teil dieser Reihenpredigt kennen.)

Wie diese Früchte des Geistes in der Gemeinschaft der Heiligen aussehen können, sagt uns der Epheserbrief auch: Einigkeit im Geist, das Band des Friedens, die eine Hoffnung auf Christus, der eine Glaube, die eine Taufe (Eph. 4,3-6). Ein Gott, ein Vater, ein Geist, der da ist über allen und durch alle und in allen.
Der Heilige Geist wirkt Frucht im Sinne Jesu, des vollendeten Geistträgers. „Auf dass sie alle eins seien“, betete er im Gebet für seine Jünger. Am Ende muss alle Frucht des Geistes ein Wachsen in der Liebe hin zu Christus sein. So reift die Gemeinschaft der Heiligen heran zu einem Leben ganz und gar im Sinne Jesu.

Die Gemeinschaft der Heiligen …

ist dann an sich bereits eine Frucht des Heiligen Geistes. Er wirkt Gemeinschaft. Er schafft Kirche. Er gebiert den Leib Jesu Christi neu.
So wird dann die Bitte: „Komm Schöpfer Geist“ auch zum Geburtstagswunsch der Kirche. Wenn Gottes Geist ausgegossen wird auf alle, die glauben, wenn diese alle in besonderer Weise Gotteskinder sind, dann entsteht hier ein neues Leben, eine neue Gemeinschaft. In dieser Gemeinschaft regiert dann Jesu Wille. Christi Sinn bestimmt das Miteinander der Heiligen. Seine Liebe, seine Gerechtigkeit, seine Worte sind die Triebfeder allen Tuns und Lassens.
Leider ist davon im Alltag der Gemeinde nicht so viel zu sehen. Wir müssten da eigentlich viel lebendiger und einiger sein.

Dein Geist dämpfet nicht

Manchmal, so denke ich, stehen wir dem Wirken des Geistes Gottes im Weg. Da kann er nicht so wirklich Frucht bringen, weil wir dann doch je und je zu wenig auf Gott vertrauen. Wir machen uns viele Gedanken, überlegen, taktieren und paktieren auch in der Gemeinschaft der Heiligen. Dabei wäre es eigentlich unnötig. Es müsste so funktionieren:

Die Gemeinde versammelt sich unter dem Wort und mit Gebet. Sie betet für Ihre Amtsträger und Mitarbeitenden, für Presbyterinnen und Presbyter, Jugendleiterinnen und Jugendleiter und Pfarrerinnen und Pfarrer und all die vielen anderen Mitarbeitenden in der Gemeinde.
Und dann müsste es auch die Bereitschaft geben, mutig, ja voller Gottvertrauen Neues auszuprobieren. Neue Impulse zu setzen. Dazu darf dann auch gehören, mal mit dem einen oder anderen Versuch zu scheitern. Aber es sollte doch je und je möglich sein, Gemeinde aufzubauen, statt nur abzubauen.
Veränderungsprozesse stehen an. Und ich bin überzeugt, dass die Gemeinschaft der Heiligen unter dem Wort und mit Gebet, auch in diesen schwierigen Zeiten des Rückgangs von „volkskirchlichen Strukturen“ Wunder erleben kann. Denn Gottes Geist wirkt auch heute unter uns.

Im Sinne Jesu - in der Kraft des Heiligen Geistes also - sind wir, die wir zum Leib Jesu Christi gehören, untrennbar miteinander verbunden. Und wo wir das Leben und den Glauben miteinander teilen, wachsen wir zusammen und werden auferbaut in der Liebe Christi.

Steht mit Euren Gaben und Begabungen füreinander ein. Bringt euch ein mit dem, was Gott Euch an Gabe und Aufgabe mitgegeben hat. So baut er sein Reich unter uns. So wächst der Leib Jesus Christus zu dem hin, der das Haupt ist. Je mehr in unserem kirchlichen Handeln, je mehr in unserer Gemeinschaft der Glaubenden im Sinne Jesu geredet, gebetet, gehandelt wird, um so prächtiger und schöner wird die Gemeinschaft der Heiligen auch in der Welt wahrgenommen und gehört. Gott hat uns mit sich verbunden und seine Lebenskraft, sein Heiliger Geist strömt in unser Leben. Wichtig ist, dass wir ihm Raum geben. Dass wir ihm zutrauen, uns voranzubringen auf Christus hin.

Wo sind Sie die Propheten und Lehrer? Männer und Frauen, die vorangehen und sagen: Hier geht es lang, hier wächst zusammen, was zusammenwachsen soll. Hier wird der Leib Christi aufgebaut. Z.B. durch die Zusammenarbeit zwischen benachbarten Gemeinden, den gegenseitigen Austausch von Mitarbeitenden in den Bezirken für die verschiedenen Aufgaben in unserer Jugendkirche oder der Diakonie. Selbst im Bereich der kirchlichen Verwaltungen oder der Pfarrwahl brauchen wir das Wort der Propheten, die uns Wege zeigen, die wir gehen können. Sicher sollen wir den Verstand und die Vorsicht nicht außer Acht lassen - und doch ist es falsch, von einem Bedenkenträger nur zum nächsten zu wechseln.

Wo sind die Hirten,…
die den Kranken nachgehen und sich um die alleinerziehende Mutter kümmern. Wo sind sie die Hirten, die sich um die Schwachen mühen, sie aufrichten, Wunden verbinden und vom Weg Abgekommene wieder zurückholen? Wir haben sie professionalisiert. Die Sozialarbeiter tun wichtige Dienste in der Diakonie, unsere Krankenschwestern in der Altenpflege. Unsere Vereine im Bereich der Inneren Mission betreuen unsere Senioren in Heimen. Sicher auch immer je und je mit viel ehrenamtlicher Hilfe. Und doch: Neue Hirten braucht das Land!

Ich glaube nicht, dass dem Heiligen Geist die Puste ausgeht. Ich glaube eher, dass wir ihm nicht mehr wirklich etwas zutrauen. Auch in unserer Kirche schauen wir mehr auf Diplome und Titel, denn auf Gaben und Begabungen Einzelner.
Dabei könnte die Gemeinschaft der Heiligen gerade im Miteinander der vielen Gnadengaben wachsen zu Christus hin.
Wir könnten uns doch auch als Ehrenamtliche mehr zutrauen. Jedes Glied, das andere unterstützt nach dem Maß seiner Kraft, macht, dass der Leib wächst und sich selbst aufbaut in der Liebe.

Nach dem Maß seiner Kraft

Hier wird die Richtung ja vorgegeben. Der eine findet die Kraft zum Gebet und zur Fürbitte, die andere die Kraft zum Besuchsdienst. Wieder jemand hat die Kraft, sich um schwierige Kinder oder Jugendliche mit großer Geduld und Liebe zu kümmern. Ein anderer hat die Kraft und die Möglichkeiten, Menschen dazu zu bewegen, mit ihrem Geld zu helfen und an der Auferbauung des Leibes Christi mitzuwirken. Damit ist nicht die große Zahl der Gemeindeglieder verheißen. Es müssen nicht aus 13.000 15.000 Gemeindeglieder werden. Vielmehr geht es darum, dass die Gemeinschaft wächst, die gegenseitige Unterstützung wächst und wir der Liebe Raum geben im Miteinander in der Gemeinde.

Und natürlich geht es auch darum, dass wir den Menschen, mit denen wir hier zusammenleben, etwas von Gottes Liebe und Fürsorge und Heil weitergeben. Dabei ist es nun egal, ob wir es mit Brüdern und Schwestern im Sinne der Gemeinschaft der Heiligen zu tun haben. Oder ob es einfach unsere Menschenbrüder und -schwestern sind mit ihren ganz unterschiedlichen Glaubensvorstellungen. Reich Gottes, Gottes Liebe, Gottes Recht kann die Welt überall brauchen. Und auch die Hilfe für den Nächsten ist ja nicht an die Konfession oder Religion gebunden.
Damals wie heute wirkt Gottes Geist in der ganzen Welt. Er wirkt hinein in unsere Geschichte. Er zieht seine Kreise im Miteinander der Völker und doch auch im Miteinander der Bürgerinnen und Bürger einer Stadt. Als die, die sich in besonderer Weise mit der Kraft Gottes verbunden wissen, als Geistträgerinnen und Geistträger sind wir an jedem Ort, an dem wir stehen, eingeladen, nach dem Maß unserer Kraft zu machen, dass der Leib wächst und sich aufbaut in der Liebe.

Die Früchte des Geistes Gottes in der Welt und die Gemeinschaft der Heiligen.“

In drei Predigten über den Heiligen Geist, haben wir gehört:

I. Gottes Geist durchweht die Schöpfung und macht lebendig. Schon in den Geschichten des Ersten Bundes legt sich Gottes Geist als Gabe und Aufgabe auf Menschen und macht sie zu Geistträgern, durch die er Einfluss nimmt auf das Leben der Menschen. Frieden, Gerechtigkeit und Wegweisung hat er im Gepäck.

II. Gottes Geist, Gottes Kraft und Liebe offenbaren sich in Jesus Christus. Und wir, die wir in der Nachfolge Jesu stehen, sind hinein genommen in diese Bewegung.

III. Zuletzt haben wir gehört, dass wir Teil des Leibes Jesu Christi sind, Gemeinschaft der Heiligen. Als Geheiligte, als Menschen, die zu Gott gehören, leben und handeln wir aus der Kraft seines Geistes. So haben wir Teil an dem neuen ewigen Leben, das Jesus verheißen hat und schenkt. So haben wir Teil an der Weltgeschichte und schreiben selbst im Großen wie im Kleinen an dieser Geschichte im Sinne Jesu mit.

Durch unser Leben, durch unser Tun und Lassen wirkt Gottes Kraft in dieser Welt: In unseren Gemeinden steht er für Gemeinschaft, Glaubenszuversicht, Glaubenserkenntnis, Durchblick und Trost. Er steht für Glaube, Liebe und Hoffnung, diese drei.
Durch den als Gemeinschaft der Heiligen auferbauten Leib Christi, die Gemeinde wirkt der Geist Gottes hinein in das Leben derer, die anders glauben als wir.

Damit wir in allem wachsen mögen auf Christus hin, Gott zur Ehre und den Menschen zum Segen, schenkt Gott uns Christen je und je durch die Jahrhunderte hindurch seinen Heiligen Geist. Er kommt zu uns. Er nimmt Wohnung im Herz seiner Kinder. Gottes Kraft ist in uns mächtig. Gestern, heute, morgen und in Ewigkeit.

AMEN

Gebet (frei)

„O Heiliger Geist, kehr bei uns ein. Und lass uns deine Wohnung sein, o komm, du Herzenswonne. Du Himmelslicht, lass deinen Schein bei uns und in uns kräftig sein, zu steter Freud und Wonne. AMEN

Segen:

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. AMEN