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Predigt über Johannes 8,31-36

Roland Frotz (ev), Rechtspfleger

08.03.2015 in der evangelischen Christusgemeinde Kandel

Gottesdienst

Ehrlich glauben

Johannes 8,31-36

Predigttext

 

31 Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger

32 und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

33 Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du dann: Ihr sollt frei werden?

34 Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht.

35 Der Knecht bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig.

36 Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.

 

Folgende Situation: Konferenz in einer Firma, die Haushaltsgeräte verkauft. Der Vertriebsleiter freut sich über die positiven Absatzzahlen des wichtigsten Produkts und präsentiert stolz die Verkaufsstatistik des letzten Jahres. Abschließend erklärt er: „Ich denke, der große Erfolg liegt daran, dass unsere Verkäufer dieses Gerät selbst zu Hause haben und täglich nutzen. Deshalb können sie unseren Kunden glaubhaft von den Vorteilen des Geräts erzählen. Denn nur wer selbst von etwas überzeugt ist, kann es auch an andere weitergeben.“ Alle im Saal applaudieren und nicken zustimmend. Die Kollegen Müller und Meier gehen nach dem Ende der Sitzung gemeinsam zur Mittagspause und sprechen über ihre Erfolge. „Weißt du“, sagt der eine „in Wahrheit sind meine Verkaufszahlen gar nicht so gut. Ich hab da ein bisschen getrickst, damit ich vor dem Chef gut dastehe. Und ob das Gerät wirklich so toll ist, weiß ich gar nicht. Ich hab‘s ehrlich gesagt, noch gar nicht ausprobiert.“ Der andere ist erst ein bisschen still. Dann entgegnet er: „Aber du hast doch eben auch mit den anderen mitgeklatscht.“ „Naja, ich kann ja schlecht zugeben, dass ich eigentlich eine Niete bin und dass meine Zahlen geschönt sind.“ Wieder eine Pause, dann erwidert der Kollege: „Ich hab ja auch mitgeklatscht. Aber ich muss zugeben. Mir geht es ähnlich wie dir. Natürlich habe ich auch eines von unseren Geräten zu Hause. Und am Anfang habe ich es jeden Tag benutzt. Aber irgendwann hatte es einen kleinen Defekt. Und seitdem steht es nur noch rum. Was ich den Leuten erzähle, ist im Grunde das, was in unserer Hochglanzbroschüre steht. Und meine Zahlen, nun ja, da hab ich auch ein bisschen nachgeholfen, damit der Chef sich darüber freut. Und weißt du. Neulich habe ich mit dem Kollegen Schmidt unterhalten. Der hat mir im Vertrauen erzählt, dass er in Wirklichkeit auch nicht von unserem Gerät überzeugt ist. Er meinte, dass es so viele Funktionen gibt, die ihm zu kompliziert erscheinen. Deshalb benutzt er es gar nicht und macht seine Sachen lieber selbst.“

 

Andere Geschichte, dieses Mal eine wahre, die mir ein Bekannter erzählte. Als Kind und Jugendlicher war er zusammen mit seinen Eltern in einer Gemeinde, in der es verpönt war, einen Fernseher zu haben. Also hatte es auch kein Gemeindemitglied zu geben, das einen Fernseher besaß. Irgendwann entdeckte er, dass es Leute gab, die doch einen Fernseher hatten. Aber jedes Mal, wenn jemand aus der Gemeinde zu Besuch kam, wurde der versteckt, damit ihn die anderen nicht sehen. Irgendwann wurde meinem Bekannten die Heuchelei zu viel und er verließ die  Gemeinde.

 

Dritte Szene, die sich so jeden Sonntag vor dem Gottesdienst in jedem x-beliebigen Gemeindehaus abspielen kann: „Guten Morgen. Schön, dass du da bist. Wie geht’s dir?“ „Gut. Ja, ich freu mich auch auf den Gottesdienst.“ Der gefragte geht weiter und denkt: „In Wahrheit geht’s gar nicht gut. Ich hätte lieber ausgeschlafen. Aber ich muss mich ja mal wieder sehen lassen, sonst denken die anderen, etwas stimmt mit meinem Glaubensleben nicht oder ich bin nicht mehr fromm genug. Und den Klaus würde ich heute lieber auch nicht sehen. Der hat mich nämlich am letzten Montag wahnsinnig geärgert.“

 

Ulrich Eggers, der Leiter des Bundesverlages behauptet: „Wir lügen. Immer wieder, intuitiv und gut gelernt. Warum? Es lohnt sich. Es ist sinnvoll. Es zahlt sich aus in den Beziehungssystemen, in denen wir leben. Auch als Christen? Sind wir denn nicht unbedingt und immer für Wahrheit? Ist Lügen nicht Sünde? Ja. Und das wissen wir alle. Und sind natürlich dagegen. Aber wir lügen. Manchmal bewusst, meistens unbewusst und intuitiv. Unser Mund lügt, unser Schweigen lügt, unsere Fassade lügt und (…) unsere Beziehungssysteme und Gemeinden fördern das Lügen.“[1]

 

Das ist eine gewagte These. Aber schon die Begebenheiten, die ich erzählt habe, machen etwas davon deutlich, dass Ulrich Eggers nicht ganz Unrecht haben könnte. Natürlich ist unser Glaube kein Produkt, dass wir an den Mann bringen möchten, nichts, was wir anderen Menschen aufschwatzen wollen, nur damit unsere Zahlen stimmen, die Zahlen von Menschen, die neu in unsere Gemeinde gekommen sind, die Zahlen von Menschen, die sich bei uns bekehrt haben. Aber doch ist unser Glaube etwas, das wir an andere weitergeben wollen, weil es dem Auftrag Jesu entspricht, Menschen zum Glauben einzuladen und weil wir selbst davon überzeugt sind, dass ein Leben mit Jesus die bessere Alternative ist. Oft gelingt es uns aber nicht, ehrlich von unserem Glauben zu reden. Da sind zu viele Fragen, die wir selbst noch haben. Da sind Zweifel, die uns beschäftigen und uns das Gefühl geben, unser Glaube wäre unvollkommen. Wie könnten wir da überzeugend von unserem Glauben reden?

In der Gemeinde kann das aber doch anders sein. Oder? Die Gemeinde ist die Gemeinschaft der begnadeten Sünder, die Gemeinschaft der Schwachen, die Gemeinschaft derer, die durch Gottes Gnade erlöst sind. Deshalb können wir frei und offen sagen, wie es uns geht. Können zu unseren Fehlern stehen und erleben Ermutigung und Hilfe durch die anderen in der Gemeinde. Ist es wirklich so?

Stellt euch vor, es käme jemand in unsere Gemeinde und würde erzählen, er saß fünf Mal im Gefängnis, weil er Geld veruntreut und gestohlen hat. Aber nun hat er Jesus gefunden und ist ein ehrlicher Mensch. Würden wir einem solchen Menschen unsere Gemeindefinanzen anvertrauen? Würden wir weiterhin unsere Taschen unbeaufsichtigt im Gemeindehaus liegen lassen? Und wenn dann doch etwas gestohlen würde, würden wir nicht zuerst ihn verdächtigen? Versucht mal, diese Fragen ehrlich zu beantworten. Und dann überlegt euch, ob ihr davon erzählen würdet, wenn ihr eine solche Vorgeschichte habt.

 

Jede Gruppe und auch jede Gemeinde gibt sich geschriebene und vor allem ungeschriebene Gesetze, wie ihre Mitglieder zu sein haben. Wer diesen Maßstäben nicht entspricht, ist schnell außen vor. Deshalb ist es normal, dass wir uns den Regeln anpassen, wenn wir akzeptiert sein wollen, oder dass wir zumindest so tun, als würden wir entsprechend den Regeln leben.

 

Noch ein paar Beispiele gefällig:

Vor ein paar Jahren gab es in manchen Gemeinden einen heftigen Streit darüber, ob man als Christ Harry Potter lesen darf oder nicht. In einer Gemeinde, die diese Bücher vehement als okkult ablehnt, wird wohl kaum einer zugeben, dass ihm diese Romane gefallen. Ob sie wirklich keiner liest, ist eine andere Frage.

 

Evolution und Schöpfungslehre: Ist jeder, der die Schöpfungsgeschichte hinterfragt und Zweifel am biblischen Bericht von der Erschaffung der Welt in sieben Tagen hegt, ein schlechter Christ? Darf man sich auf die Suche nach Antworten zu den Fragen machen, die in diesem Zusammenhang auftauchen? Oder ist hier jeder Zweifel schon ein Anzeichen, dass man Gottes Wort nicht ernst nimmt? Wenn eine Gemeinde Fragen an dieser Stelle nicht zulässt, wird sie auch keiner äußern. Es wird dann aber auch keine Antworten auf diese Fragen geben.

 

Meine Schuld ist mir vergeben. So sagt es uns die Bibel. Und wir dürfen darauf auch vertrauen. Aber trotzdem gibt es Menschen, die das nicht glauben können, weil ihr Leben so verkorkst ist, dass sie es gar nicht fassen können, dass Jesus für ihr ständiges Versagen und für ihre Sünde gestorben ist. Natürlich muss man da sicher auch zwischen wirklicher Schuld und Schuldgefühlen unterscheiden. Wenn wir aber solchen Menschen die Zweifel an der Erlösungstat Jesu nicht zugestehen, werden sie diese Zweifel verschweigen. So werden die Zweifel aber nicht ausgeräumt.

 

Die Gemeinde ist eine Gemeinschaft der geretteten Sünder, sie ist die Gemeinschaft derer, die befreit wurden von einem Leben in Abhängigkeit. Dieser Satz ist wahr. Aber ich fürchte, dass wir manchmal unsere Aufmerksamkeit zu sehr auf das gerettet richten. Es ist alles gut. Alles ist vergeben. Alle Fehler sind bereinigt. Das könnte manchmal zu dem Eindruck führen, dass ein Christ keine Fehler mehr haben darf. Und deshalb versuchen wir, unsere Fehler zu vertuschen. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf. So entwickeln wir eine fromme Fassade, die alles verbirgt, was nicht gut läuft in unserem Leben. Damit wir anerkennt werden, verheimlichen wir unsere schlechten Eigenschaften. Und so führen wir Sonntag für Sonntag ein Schauspiel auf und merken nicht, dass wir uns eine neue Abhängigkeit begeben, nämlich in die Abhängigkeit von dem, was die anderen in der Gemeinde über uns denken bzw. denken sollen.

„Wir sind Abrahams Kinder und sind nie jemandes Knecht gewesen.“ „Ich gehöre zur Gemeinde Jesu und könnte deshalb mit Martin Luther sagen: Ich bin ein freier Mensch und niemandem untertan.“ Dabei vergessen wir, dass nicht die noch so gut gemeinten Regeln einer Gemeinde frei machen.

 

Frei werden wir, so sagt es Jesus, wenn wir bei seinem Wort bleiben. Manchmal ist es nicht leicht, die Unterscheidung zu treffen zwischen dem, was Jesu Wort ist, und dem, was menschliches Wort ist. Bei dem Beispiel mit dem Fernseher ist es einfach: Da hat sich eine Gemeinde ein Gesetz auferlegt, das keine Grundlage in der Bibel findet. Man hat das sicher mit guter Absicht getan. Und wenn jemand für sich zu dem Schluss kommt, ein Fernseher tut mir nicht gut, dann ist es gut, dass er darauf verzichtet. Er darf sich aber nicht anmaßen zu sagen, auch ein anderer muss dieser Regel folgen. Bei anderen Dingen ist es schon schwieriger. „Als Christ muss man jeden Tag in der Bibel lesen.“ Das ist eine gute Regel, weil sie uns hilft, das Wort Gottes im Gedächtnis zu behalten. Aber ein Gebot dazu steht nicht in der Bibel.

Bei Gottes Wort bleiben, heißt: Ich frage, was ist Gottes Wille für mich und mein Leben? Dabei bleiben wir immer Lernende. Egal, ob wir am Anfang unseres Glaubens stehen oder schon viele Jahre mit Jesus leben. Es ist eine zutiefst persönliche Frage. Und vielleicht ändert sich auch die Antwort im Laufe eines Lebens.

Bei Gottes Wort bleiben, heißt, dass ich Gottes Zusagen nicht in Frage stelle. Dass ich ein grundsätzliches Ja zu ihnen habe. Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal Zweifel haben darf, auch an ganz zentralen Aussagen der Bibel. Zweifel sind normal. Aber hinter allen Anfragen darf ich glauben, dass Gott seine Zusagen erfüllt. Vielleicht muss ich manchmal um diesen Glauben ringen.

 

Wenn wir bei seinem Wort bleiben, dann sind wir wirkliche Jünger Jesu und werden die Wahrheit erkennen. Das ist das Versprechen, das wir hier bekommen. Aber was ist die Wahrheit? Ein Kern der biblischen Wahrheit wird in unserem Text angesprochen: Der Mensch, der nicht in der Abhängigkeit von Jesus lebt, ist ein Sünder. Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Wir leben entweder in der Abhängigkeit von Gott oder eben in Abhängigkeit von einem oder etwas anderem, sei es der Teufel, die Welt oder aber das Bild, das wir von uns selbst haben oder das Bild, das andere von uns haben sollen. Die Wahrheit ist, dass uns oft nicht egal ist, was der andere von uns denkt, vor allem, wenn wir bei ihm gut angesehen sein wollen. Und wer wollte nicht in der Gemeinde geachtet werden. Dann ist es verführerisch alles zu vermeiden, was unserem Ansehen schaden könnte. Und genau dann stehen wir in der Gefahr, ein Doppelleben zu führen. Nach außen wahren wir den schönen Schein und was in unserem Innersten ist, geht keinen etwas an.

Die Wahrheit erkennen, ist hier aber noch mehr. Jesus sagt an anderer Stelle von sich selbst, dass er die Wahrheit ist. Und so heißt, die Wahrheit erkennen, zu entdecken wer Jesus wirklich ist, was er für mich getan hat und ihm nachzufolgen, eben wahrhaftig seine Jünger zu sein. Diese Nachfolge ist das Gegenteil von Religion. „Nichts verdeckt Gottes Angesicht so wie Religion“, sagt Martin Buber. „Mehr als alles andere gibt die Religion der Neigung des Menschen Nahrung, sich von der Wirklichkeit abzuschirmen.“ Religion als System der Zugehörigkeit und Bindung – oder die Revolution Jesu in der Freiheit seiner Liebe. Das ist unsere Wahl.[2] Wie wir uns entscheiden wollen, ist vermutlich relativ einfach, wenn wir vor die Entscheidung von Abhängigkeit und wahrer Freiheit gestellt werden. Ob wir immer gemäß dieser Entscheidung leben, ist eine ganz andere Frage, die wir im Grunde jeden Tag neu beantworten müssen.

 

Schaffen wir es, der Wahrheit, also Jesus zu folgen, dann wird uns die Wahrheit frei machen. Zu allererst frei von Sünde, weil Jesus schon längst für unsere Schuld bezahlt hat. Dann aber auch frei davon, anderen Menschen gefallen zu müssen. Und schließlich werden wir frei, uns unser eigenes Versagen und unsere Unzulänglichkeit einzugestehen und damit umzugehen. Du bist in Jesus ein begnadeter Sünder, aber du bist auch weiterhin Mensch, mit all deinen Brüchen. In der Freiheit Jesu musst du dein Menschsein nicht verleugnen. In Jesus wirst du frei, du sein. Du wirst frei, der zu werden, wie Jesus dich haben will und nicht wie die Gemeinde dich haben will.

 

„Wenn dich der Sohn frei macht, so bist du wirklich frei. Jesus kann dir helfen, ehrlich mit dir selbst zu sein. Der Weg der Wahrheit ist zugleich einfach und schwer. Einfach, weil alles, was du tun musst, bei Jesus zu bleiben und dich von ihm freimachen zu lassen. Zugleich schwer, weil wir immer wieder in unsere alten Strukturen zurückzufallen drohen. Wenn wir es aber schaffen, den Weg der Wahrheit zu gehen und zunächst ehrlich mit uns selbst zu sein, dann schaffen wir vielleicht irgendwann auch den zweiten Schritt, dass wir dem anderen unsere Wahrheit zumuten. Dann tragen wir nicht mehr die fromme Fassade, sondern geben zu, dass es Fragen gibt, auf die wir keine Antwort wissen, dass wir manchmal zweifeln, ob Gottes Weg wirklich ein guter Weg für mich ist, dass es Zeiten gibt, in denen ich nicht beten kann, weil ich wütend auf Gott bin. Oder dass ich in meinem Glauben müde geworden bin, weil ich von Menschen so viel Schlimmes erfahren musste. Aber genau dann gelangen wir an den Punkt, wo unsere Gemeinschaft an Tiefe gewinnt, weil wir entdecken, dem anderen geht es genauso wie mir. Auch der andere stößt immer wieder an seine Grenzen. Ich entdecke, auch der Glaube des anderen hat irgendwann einen kleinen Defekt bekommen, so dass er versucht manche Situationen selbst zu meistern, ohne sich vertrauensvoll an Gott zu wenden. Das ist auch genau der Punkt, an dem wir einander zur Hilfe werden können. Wo mir das Vertrauen fehlt, kann ein anderer vor Gott für mich einstehen. Wo der Bruder oder die Schwester nicht mehr beten kann, kann ich die Hände falten und zu Gott rufen.

 

Ehrlich glauben, wie kann das praktisch werden?

 

„Ich kann lernen auf mein Herz, meine innere Stimme, meine Gefühle zu hören. Ich will vor mir selber zulassen und wahrnehmen, was ist – es nicht verdrängen oder umgehen... Ich kann trainieren, die Wirklichkeit nicht schönzureden und die Fragen, die sie mir stellt, tatsächlich hören zu wollen... Es lohnt sich über alles zu reden und nachzudenken.... Im Zweifelsfall ist es viel besser, bei Fragen mit einem offenen „Ich weiß es nicht“ zu leben, als schwierige Themen zu verdrängen oder zu verbergen.

„Eure Rede sei: Ja, ja; nein, nein.“ Wir sollen lernen, uns an eine Version der Wahrheit zu halten... lernen, geradlinig zu sein, klar kommunizieren und uns dann daran halten. Dazu gehört auch, etwas zurückzunehmen oder einzuräumen: Ich habe mich da geirrt...

Ich kann Familie, Freunde, Kollegen bitten, mich genug lieb zu haben, um mir ihre Wahrheit zuzumuten – und werde das auf Dauer nur erreichen, wenn ich in Ruhe zuhöre und nicht abwehre, was dann kommt...

(Ich muss) erkennen, dass zum vollkommenen Bild der Wirklichkeit nie nur eine Sicht der Dinge gehört. Meine Wirklichkeit ist meine Sicht. Ein komplettes Bild bekomme ich erst, wenn ich sie auch aus der Perspektive anderer wahrnehmen will.“ [3]

 

Vielleicht entdecken wir, wenn wir auf diese Weise anfangen zu leben: Ich darf zu Jesus kommen, wie ich bin. Aber auch der andere darf so zu Jesus kommen, wie er ist. Ich muss nicht bleiben, wie ich bin, sondern darf zu dem werden, der ich vor Jesus sein soll. Und der andere darf werden, wie er vor Jesus sein soll, nicht wie ich ihn haben möchte.

 

So wird die Wahrheit uns und unseren Nächsten frei machen.


[1]Ulrich Eggers, Ehrlich glauben – Warum Christen so leicht lügen, S. 6, SCM-Brockhaus-Verlag, Witten, 3. Auflage 2014

[2]Eggers, a.a.O. S. 45

[3]Eggers, a.a.O. S. 60 ff.