Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Dreifaltigkeit

Pfarrer Alexander Eckert (rk

15.06.2014 in Esselbach

in den Gottesdiensten zum Fest der Hl. Dreifaltigkeit

© privat

Liebe Schwestern und Brüder,

das Fest der hl. Dreifaltigkeit ist eines der Feste im Jahreskreis, das wir am wenigsten mit unserem Verstand oder mit irgendeiner Logik begreifen können.

Und dennoch behaupte ich, dass Gott in unserem Menschsein schon dieses Geheimnis grundgelegt hat. So wie wir Gott dadurch näher kennen gelernt haben, dass er in Jesus Mensch geworden ist, so kommen wir dem Geheimnis Gottes auf die Spur, wenn wir das Geheimnis unseres Menschseins näher betrachten.

Das Geschöpf lässt immer auch etwas von seinem Schöpfer erahnen, genauso wie ein Tonstück von seinem Töpfer, der es gefertigt hat. Wenn wir also auf unser Menschsein schauen, bekommen wir eine Ahnung vom Geheimnis Gottes.

Was fällt uns beim Wesen des Menschen auf und welche Rückschlüsse lässt es uns auf Gott schließen?

Ein Erstes: Der Mensch lebt in drei Dimensionen, in der Dimension seines Körpers, in der Dimension seiner Seele und in der Dimension des Geistigen bzw. Geistlichen. Diese drei Dimensionen müssen einerseits getrennt voneinander betrachtet und behandelt werden - z. B. ist bei einer Krankheit im körperlichen Bereich der Arzt zuständig, im psychischen Bereich der Psychotherapeut und im geistlichen Bereich der Seelsorger - andererseits wirken sie aber immer auch ineinander. Niemals ist eine Dimension des Menschen nur für sich existent. Obwohl der Mensch in diesen drei Dimensionen zu Hause ist, besteht er nicht aus drei Wesen, sondern nur aus dem einen Wesen Mensch.

Analog können wir auf das Geheimnis Gottes schließen: Gott ist ein Wesen der Liebe und doch zeigt er sich uns in den drei Personen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Wir können die drei Personen getrennt voneinander betrachten, indem wir z. B. die Menschheitsgeschichte in drei Zeitabschnitte einteilen, die Ära des Vaters im Alten Testament, die Ära des Sohnes in seiner Menschwerdung im Neuen Testament und die Ära des Hl. Geistes, die mit der Entstehung der Kirche begonnen hat und in der er bis heute wirkt. Und doch wirken alle drei Personen immer miteinander und ineinander, sie sind im letzten nie getrennt voneinander zu denken.

Ein Zweites: Der Mensch ist ein Beziehungswesen. Ohne Beziehungen, die gelungen sind und den Menschen tragen, ohne Beziehungen, die ihm Liebe schenken, verkümmert der Mensch. Wir können von ihm, dem Geschöpf, auf den Schöpfer schließen, dass auch er ein Beziehungswesen ist, dass er die Beziehung von Vater, Sohn und Hl. Geist im Wesen der Liebe lebt.

Und ein Drittes: Der Mensch sehnt sich nach Vollendung. Ist ein Mensch in allen seinen drei Dimensionen gesund, trägt er in sich die Sehnsucht, Dinge zu Ende zu bringen: das kann ein Werkstück sein, ein Hausbau oder auch der Abschluss einer schulischen oder beruflichen Laufbahn, eines Studienganges, einer Weiterbildung oder eines Seminars. Auch diese Sehnsucht nach Vollendung ist dem Menschen von seinem Schöpfer grundgelegt. Gott selbst lebt in der Vollendung und im Ewigen und so tragen auch wir den Funken des Ewigen und des Vollendeten in uns.

Der Hl. Augustinus hat einmal ein Gebet geschrieben: Unruhig ist unser Herz, o Gott, bis es Ruhe findet in dir. Erst wenn der Mensch diese Vollendung bei Gott gefunden hat, erst wenn er Anteil am Ewigen hat, kommt er zur Ruhe und er hat inneren Frieden, ein Friede, der ihm nicht mehr genommen wird.

Dass der Mensch in drei Dimensionen lebt, das ist durch die Humanwissenschaft bewiesen. Keine der modernen Wissenschaften würde das abstreiten.

Wie menschliche Beziehungen geknüpft und gestaltet werden können und wie wichtig es ist, von anderen geliebt zu werden, das dürfte heute auch weithin bekannt sein.

Aber wie sieht es mit der Vollendung aus? Wie verläuft unser Weg dorthin? Wie kann ich zur Vollendung gelangen, wo ich mich doch als so unvollendet und brüchig erfahre, alles andere als ganz.

Hier setzt das heutige Evangelium an. Gott hat seinen Sohn in die Welt gesandt und ihn für uns hingegeben, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat, sprich, zur Vollendung gelangt und Anteil am Ewigen erhält.

Der Glaube ist also der Weg zur Vollendung. Allerdings ist das ein Weg, der nicht einfach so vor uns liegt, den wir so einfach beschreiten können. Glaube ist wie eine Brücke, die sich erst beim Gehen erbaut. Es braucht also erst einen Vorschuss an Vertrauen, einen festen Willen und die Bereitschaft, sich auf den Weg zu machen, damit der Fuß beim nächsten Schritt merkt, dass er festen Boden unter den Füßen hat. Glaube erscheint wie ein Wagnis, weil der Weg nicht klar vor mir liegt, aber die Erfahrung zeigt, dass mein Fuß beim Gehen nicht ins Leere läuft.

Ich selbst habe diese Erfahrung als Jugendlicher machen müssen, als ich an Gott sehr stark gezweifelt habe und mir nur noch das inständige Gebet blieb, dass Gott mir hilft, wenn ich den Weg des Glaubens zu gehen wage, auch wenn mir der Glaube wie der Boden unter den Füßen weggerutscht schien und sich vor mir ein Abgrund auftat.

Damit wir diese Unsicherheit aushalten können, ist es gut, uns den Hl. Geist als Beistand beizuholen, ihn immer wieder zu bitten: „Hl. Geist, hilf mir zu glauben, hilf mir den Schritt ins Unbekannte zu setzen in der Gewissheit, dass ich durch dich wie an einem Seil abgesichert bin und mein Fuß nicht in Leere tritt. Ich kann nicht Abstürzen, weil du, Hl. Geist mich hältst. Und wenn wieder mal alles Bodenlos erscheint, dann reichst du mir die Hand und gibst mir festen Halt.“

Ich lade uns als Pfarreiengemeinschaft ein, wieder gemeinsam in den Hochseilgarten unseres Lebens zu gehen, uns gegenseitig durch tragfähige Beziehungen anzuseilen und abzusichern, aber auch das tragende und haltende Seil des Hl. Geistes an uns festzumachen. Denn gemeinsam miteinander und mit unserem Gott werden wir alle Unsicherheiten des Lebens bestehen und das Ziel unseres Weges erreichen. Amen.