Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 16,9-20

Pastor Marcus Antonioli

15.04.2007 in der Evangelisch-Lutherischen Ufergemeinde, Rostock

Liebe Gemeinde,

es gibt Filme bei denen lässt der Schluss alles offen. Von Happy end keine Spur - mancher Filmemacher liebt es, den Zuschauer voller Fragen zurück zu lassen. Vielleicht, damit die Bilder nicht allzu glatt hinunter gehen. Denn kennt man erst das Ende eines Films, kann man ihn abhaken.
Als der Evangelist Markus sein Evangelium niederschrieb, gab es zwar noch keine Filme. Aber sein Bericht vom Leben, Leiden und Sterben Jesu war ganz sicher sehr beliebt bei den ersten Gemeinden. Hier fanden die ersten Christen ein glaubhaftes Zeugnis für das Wirken von Jesus Christus - sonst hätte es als Markusevangelium wohl kaum den Weg in die Bibel gefunden. Ärgerlich nur, dass der Evangelist wie ein moderner Regisseur seinen Bericht mit einem offnen Ende stehen ließ. Das Grab Jesu war offen und leer am Ostermorgen. Nur ein Bote sagte ihnen, was geschehen war. Schluss - Aus - Ende! Beim Happy end wird für gewöhnlich abgeblendt!
Mit diesem Finale konnten die Christen damals nicht leben. Das war ihnen zu wage, zu offen. Vielleicht auch zu dicht an ihren eignen Zweifeln und fragen?
Jedenfalls wurden die Zeugnisse von der Auferstehung Jesu in den anderen drei Evangelien in einer Art Zusammenfassung - wie ein Nachspann - angefügt. Auch in Filmen sieht man gern, was aus der Sache geworden ist - so auch hier.
Doch es bleibt ein Happy end mit Hindernissen. Der Evangelist Markus gibt Auskunft über die Zweifel und Schwierigkeiten, die die Jünger und wohl auch er zunächst mit der Osterbotschaft hatten.
Maria Magdala sieht den auferstandenen Herrn - die anderen glauben es ihr aber nicht. Die zwei Emmaus-Jünger essen mit Jesus, aber die anderen glaubten ihnen zunächst nicht. Und zuletzt erscheint Jesus seinen elf Jüngern - aber auch die können es einfach nicht glauben.

Liebe Gemeinde,
weil Glauben und Zweifel wie Zwillinge sind, brauchen sie einander, auch der Evangelist wusste davon und wagte darum einen offnen Schluss! Und auch wer an Gott glaubt, kennt notwendigerweise beides! Denn ein Glaube ohne Zweifel wird zum Wahnsinn. Wir niemals etwas hinterfragt, der wird auch nie zu echten Antworten finden. Der Glaube verwandelt sich dann zu einer Ritterrüstung gegen die böse Welt. Da geht nichts rein und nichts raus! Auch das Gegenteil, wo sich alles in ständigen Zweifeln auflöst kann sehr quälend sein. Und doch braucht es eine ernsthafte Suche, um zu erkennen, dass der gekreuzigte auch der der auferstandene Christus ist. Zu leicht fällt das auseinander. Entweder sehen wir nur noch den leidenden und scheiternden Menschen Jesus als Spiegelbild menschlichen Schicksals. Welchen Trost soll uns das geben, etwa den, dass es anderen auch nicht besser geht? Oder wir sehen in Jesus nur noch den Gottessohn, der über diese Welt schwebt, aber gar keine Berührungspunkte mit unserem Leben hat! Dieses Auseinanderreißen des gekreuzigten und des auferstandenen Christus macht die gute Botschaft unglaubhaft und zerstört die Mitte unseres Glaubens selbst: Jesus Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott - gekreuzigt und wahrhaft auferstanden.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir leben in einer Welt, die viel zuwenig handfesten Zweifler und Sucher hat. Viel zu wenige wollen den Grund ihres Glaubens wirklich finden. Viel zu viele haben sich in einer Welt eingerichtet, die keinen doppelten Boden mehr kennt.

Liebe Gemeinde,
der Evangelist erklärt das Nicht-Glauben-Können der österlichen Freudenbotschaft mit den harten Herzen der Menschen.
Was hat aber unsere Herzen so hart gemacht?
Sind es die eignen Enttäuschungen an denen wir selbst hart wurden?
Sind es die Lasten und Härten, die wir zu tragen haben und die es uns verbieten, allzu zartfühlend zu sein?
Sind es die Wahrheiten der Wissenschaft, die unser Herz überhaupt unerreichbar gemacht haben!
So wie der Stein vor den Grab weggerollt und ver-rückt wird - muss das auch mit uns geschehen, denn unser Stolz und unser Dünkel, unsere Befangenheit halten den auferstandenen in seinem Grab gefangen. Was uns undenkbar erscheint - darf es für uns nicht geben - wo der Zweifel zur bloßen Methode wird, hat es der Glaube schwer. Darum geht es uns wie den ersten Jüngern: auch in uns kann die österliche Botschaft erst um sich greifen, wenn Jesus in uns selbst auferstehen, in unseren Herzen auferstehen kann!

Aber liebe Schwestern und Brüder,
woran kann man bei uns merken, dass sich mit Ostern etwas ganz entscheidendes verändert hat: ist es nur die Farbe der Paramente, die Osterkerze oder die österlichen Liedern?

Der lebendige Christus wird in unserem Glauben und Handeln spürbar.
Und auch für die gute Botschaft von der Auferstehung gilt, dass wir als Christen, oft die einzige Bibel sind, in denen unsere Mitmenschen überhaupt noch lesen. Und wenn schon unsere Gesichter meist eher nach Karfreitag als Ostern ausschauen, wer sollte dann noch mehr wissen wollen?
Die Geschichte sucht bis heute immer wieder ein Happy end in deinem und meinem Leben. Immer wieder will sich der auferstandene in unser Leben schummeln. Immer wieder stört und irritiert er. Und immer wieder tut er neue Türen auf. Die Auferstehung Jesu ist eine Wirklichkeit, die sich jeden Tag neu in unser Denken und Tun, Glauben und Hoffen einmischt.
Denn ein österlicher Glaube hält eine andere Welt für möglich!
Im Großen: es sind viele kleine Schritte zu einer besseren Welt nötig …und dürfen uns nicht damit abfinden, dass jede Kuh in der EU mit 2 Euro subventioniert wird, aber 1 Milliarde Menschen nicht einmal einen Dollar pro Tag zum Leben haben.
Wie im Kleinen: auch in unseren persönlichen Beziehungen dürfen wir an ein happy end glauben, neue Schritte aufeinander zu wagen, wo alle Wege zu ende scheinen.
Ein Mensch, der mit dem auferstandenen Jesus lebt, glaubt daran, dass es gut ausgehen kann. Leider spürt man uns dies zu selten ab! Etwas mehr Sehnsucht nach den guten Nachrichten, nach den Lichtblicken täte uns gut.

Liebe Gemeinde,
aber es gibt sie schon, die Momente wo wir im wunderbaren Film - des Lebens sitzen. Als schauten wir auf der Leinwand unseres Alltags einen Streifen von der Welt, die Jesus uns immer wieder vor Augen stellte. Das macht das Schlimme und die Realität des Todes in dieser Welt nicht ungeschehen, aber es eröffnet den Blick auf eine Zukunft voller Leben, Liebe und Erlösung! Wenn wir mit dem Auferstanden dem Tod die letzte Gewalt über unser Denken und Fühlen, kann es immer wieder auch bei uns Ostern werden. Jeder Sonntag erinnert uns daran. Das wünsche ich uns.

Amen.