Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Markus 13.31

Pfarrer Ottmar Arnd

05.01.2004 in der Evangelische Kirchengemeinde Neunkirchen/Modautal

Liebe Gemeinde,

Was für ein Werk: Über 50.000 Komparsen, bildgewaltige Landschaften, einerseits Menschen edelster Sorte, und andrerseits Wesen die jedem noch so furchtbarsten Albtraum entsprungen sein könnten, noch nie dagewesene Computer-animationstechnik, jahrelange Drehzeit - einfach ein Film der Superlative: Der Herr der Ringe. Fast schon hysterisch erwarteten die Fans den letzten, den dritten Teil, der kurz vor Weihnachten anlief. Und was die Kinobesitzer sich erhofften, ist ein- getroffen: Innerhalb der ersten 14 Filmtage waren Filmspielhäuser zum Bersten voll, über drei Millionen Menschen haben den Kampf um Mittelerde bis dahin schon gesehen. Der Herr der Ringe, Teil III - monumentaler geht's nicht. Nicht umsonst ist er das Tagesgespräch zur Zeit.
Aber: Bei mir zumindest habe ich schon Abnutzungserscheinungen entdeckt. Man gewöhnt sich schnell an Superlative, auch an Monster, Trolle und Drachen wie Sturzkampfbomber ...Wird man auch in 10, 20, 30 Jahren noch darüber sprechen? Über das Buch von Tolkien, das für die Fans ja das Evangelium ist, vielleicht - aber über den Film? Bei der rasanten Entwicklung der Computertechnik -vor 10 Jahren wäre solch ein Film zu drehen noch gar nicht möglich gewesen- ist man vielleicht schon in ein paar weiteren Jahren so weit, dass man über das, worüber heute in den meisten Fällen mit offenem Munde gestaunt wird, dann nur gelangweilt die Schulter zuckt: "Ganz nett- aber nichts für die Ewigkeit..."

Was wird bleiben von der Begeisterung?
Der 12jährige Junge war begeisterter Fussballfan. Sein Lieblingsverein in der Bundesliga: Der VFL Bochum. Sein angebeteter Fussballstar: Hans Walitza, Mittelstürmer und Bundesligatorschützen-könig. Das Los hatte es geschafft: Im DFB Pokal traf der Heimatverein des Jungen auf die Profis aus Bochum. Die gewannen zwar 5:1, aber das war zweitrangig. Der Junge saß auf der Tribüne, sah sein Idol - und die Krönung: Auf ein kleines zerknülltes Schmierzettelchen hatte er sein Autogramm von Walitza bekommen. Mit dem Bügeleisen hatte er es zu Hause vorsichtigst geglättet und auf ein Poster des Stürmerstars, das über seinem Bett hing, geklebt. Es wurde zu seinem Allerheiligsten. Stundenlang konnte er davor sitzen und die Unterschrift anhimmeln, und sich ausmalen, wie das wäre, wenn er dereinst beim VFL Bochum spielen, und in die Fußstapfen von Walitza treten würde.. Sein Elternhaus hätte abbrennen, die Welt hätte erzittern und in sich zusammenfallen können - aber dieses Autogramm hätte er unter Einsatz seines Lebens gerettet, noch vor seinem Liebling, dem Hund Hasso. Der 12jährige Junge...... war ich und 3 Jahre danach fand sich das Autogramm im Abfalleimer wieder. Anderes war wichtiger geworden. Ein Autogramm für die Ewigkeit, die nur drei Jahre dauerte..
Was bleibt von unsren Idolen?
Von den Superstars, egal wie sie alle heißen mögen: Von Alexander, Christina Aguilera, Jennifer Lopez, Justin Timberlake oder Robbie Williams.. Was bleibt?
Wird man auch in 10, 20 Jahren von ihnen reden? Oder ist ihre Halbwertzeit gar noch kürzer? Teilen sie das Los einer Sternschnuppe? Hell er-glühend, und genauso schnell ver-glühend?
Robbie Williams scheint sich eine Ahnung von der Vergänglichkeit von Reichtum und Ruhm bewahrt zu haben. In einem Interview erklärte er kürzlich: "Manchmal kommt mir der Gedanke dass ich all den Reichtum und Luxus nicht verdient habe. Und ich frage mich, was passiert, wenn er mir wieder genommen wird? Was bleibt dann von mir selber?"
Was bleibt vom Leben eines Menschen?
Es ist sein Schicksal, dass nichts von dem, was er anpackt, Bleibendes sein wird. All sein Tun ist zumeist vordergründiges und vergängliches Gequäle.
HIMMEL UND ERDE WERDEN VERGEHEN ABER MEINE WORTE WERDEN NICHT VERGEHEN...
Es ist Jesus Christus, der das sagt im MkEv. 13.31.
Jahreslosung 2004.
Dass Himmel und Erde vergehen, dass wir vergehen, merken wir jeden Tag, im Fluß der Zeiten, im Wechsel von Abend und Morgen, Tag und Nacht. Wieder ein Jahr vorbei, ein Neues beginnt. Ich bin nicht mehr der, der ich vor einem Jahr noch war: Falten sind dazu gekommen, graue Haare , vielleicht auch Krankheiten, einen Menschen der mir lieb war, vermisse ich, vor einem Jahr war er noch da...
Dass Himmel und Erde vergehen, haben wir in den vergangenen Tagen verfolgen müssen, als wir mit den grausigen Bildern des Erdbebens im Iran konfrontiert wurden: Jahrhundertealte Gebäude stürzen in Sekundenbruchteilen wie Kartenhäuser zusammen und Tausende und Abertausende Menschen verlieren in einem Augenblick ihr Leben.
Und dieser furchtbare Absturz, gestern über dem Roten Meer. Eigentlich eine solide Flugfirma. Flugzeuge-eigentlich die zuverlässigsten Verkehrsmittel fallen wie Steine vom Himmel..Hunderte von Menschen, Kinder, ganze Familien innerhalb von einem Augenblick ausgelöscht... Was ist da noch sicher?
Himmel und Erde vergehen - das beschreibt den Zug der Wolken, die Arbeit des Windes, den Wechsel der Jahreszeiten, Tag und Nacht.
"ABER MEINE WORTE VERGEHEN NICHT.."
sagt Jesus dagegen. Nüchtern gesprochen hat er Recht, die Geschichte bestätigt ihn: Seine Worte sind bis heute, bis zum 4.1.2004 nicht vergangen, sonst wären wir nicht hier in Neunkirchen und würden Gottesdienst feiern, mit Millionen Christen auf der ganzen Welt zur gleichen Zeit. Und solange es Christen gibt, werden seine Worte auf der ganzen Welt gehört und bedacht werden. Sie haben alles überlebt, was auf diesem Planeten geschah: Christenverfolgungen, Erfindungen, Katastrophen, Auf- und Abstiege von Weltreichen bis hin zum sogenannten 1000jährigen Reich. Das alles ist Fakt:
"....ABER MEINE WORTE WERDEN NICHT VERGEHEN..."
Fakt, zweifelsohne, aber die wichtige Frage ist: WARUM IST DAS SO? WAS IST DER GRUND DAFÜR? Drei kurze Antworten habe ich beim Nachdenken über diese Frage gefunden...

1. JESU WORTE- SIE SIND DIE WAHREN...
In der Bergpredigt fällt folgender Satz von ihm: "Wer unter euch ist's der seinem Leben auch nur eine Elle hinzufügen könnte, auch wenn er sich noch so darum sorge?" So siehst doch wirklich aus, liebe Freunde: All unser Sorgen und Bangen - realistisch gesehen vergebliche Liebesmüh. An den wirklich wesentlichen Dingen des Lebens können wir ohnehin nichts ändern. Geburt, Liebe Tod, - sie kommen über uns. Und egal wie wir uns abmühen: Sicherer wird nichts vom Wesentlichen: Vor diesem Hintergrund könnte ein wichtiger Vorsatz für 2004 lauten: Gelassener werden, schneller mit den Dingen seinen Frieden machen, die ohnehin nicht geändert werden können. Und ebenso wichtig, gerade wenn man das Gesagte noch ein wenig weiter wirken lässt: Etwas mehr Demut könnte unsrer Gesellschaft generell nicht schaden. Das sei jedem Pfarrer, jedem Manager, jedem Computerfachmann, jedem Politiker oder sonstigem Entertainer gesagt. Und auch einem Herrn Dieter Bohlen - der an und für sich ja einen guten Job macht, indem er verhaltensgestörten Jugendlichen ein wenig Bewegung und Aufmerksamkeit verabreicht, ins Stammbuch geschrieben: Sooo wichtig sind wir alle nicht. Die Friedhöfe dieser Welt liegen voll von Menschen, die meinten sie seien die wichtigsten des Planeten, und wenn sie gestorben wären, würde die Welt aufhören sich zu drehen .. und sie dreht sich trotzdem weiter..
Also, ein wirklich guter Vorsatz vor dem Hintergrund des verlesenen Jesuswortes: Gelassenheit und Demut in 2004 ein wenig mehr in den Vordergrund rücken..

2. JESU WORTE SIND DIE KLAREN....
Er ist kein Freund wachsweicher Floskeln, wie sie leider viele Kirchenmenschen heute vor sich hertragen. Oder auch manche Politiker, egal welcher Couleur. Aus Angst anzuecken: "....Eure Rede sei Ja, ja, Nein, nein- was darüber ist ist von Übel..."
Klare Worte, klare Entscheidungen im Leben.
Natürlich ist das Leben oft genug höchst kompliziert. Und manche Entscheidungen können nicht so schnell getroffen werden. Aber von Hetze und Hektik redet Jesus ja auch gar nicht. Es geht ihm ums Grundsätzliche: Dafür oder dagegen. Hängepartien tunlichst vermeiden, denn die saugen nur Energien und Leben aus uns. Deshalb ein weiterer sinnvoller Vorsatz 2004: Engagement zeigen, sich Ziele setzen - Ja. Aber auch Klare Grenzen setzen, wieder neu Nein sagen lernen; wenn einen alles anödet, und alles zu sehr an die Substanz geht, ganz bewusst eine Auszeit nehmen...

3. JESU WORTE SIND DIE, DIE TRAGEN
Ja, in der Tat, sie tragen durchs Leben. Nicht umsonst sind die großen Einschnitte im Leben eines Christen zumindest von biblischen Worten untermauert: Taufspruch, Konfirmationswort, Hochzeitsspruch und das biblische Wort, das der christlichen Bestattung zugrunde liegt: Jesu Worte -sie tragen durchs Leben:
"Siehe, ich bin bei euch, bis ans Ende der Welt..!"
"Behandle jeden Menschen so wie du selber behandelt werden willst..."
Oder, einer meiner Lieblingssätze die Jesus den Richtigmachern, den Hütern ihrer selbst gezim-merten, verlogenen Moral entgegenschleudert, als die eine Frau, die sie beim Ehebruch erwischt haben, voller Selbstgerechtigkeit vor ihn zerren:
"Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein..."
Jesu Worte - sie tragen. Tragen durchs Leben. Wer auch nur einmal am Bett eines sterbenden Menschen gesessen hat, erlebt hat, wie schwer ihm seine Worte fallen, die er mit seinen trockenen Lippen zu formulieren sucht, und der im selben Moment sieht, wie der gleiche Mensch geradezu auflebt, wenn man mit ihm, seine Hand haltend, ihm über die fiebrige Stirn streichelnd gemeinsam das Vaterunser betet, der wird es mir bestätigen:
HIMMEL UND ERDE WERDEN VERGEHEN, ABER MEINE WORTE WERDEN NICHT VERGEHEN...

Warum?
Ganz einfach: Jesu Worte sind die....
Wahren
Klaren
Die, die tragen...
Dass wir alle mit diesem Worten durchs Jahr 2004 getragen werden, das wünsche ich Ihnen und mir. Und wann immer Sie mit anderen Menschen ins Gespräch auch über den Glauben kommen, denken Sie dran, dass wir allen Grund haben, stolz darauf sein können, uns Christen nennen zu dürfen.
Denn wir haben einen Herrn, der uns durchs Leben und dann auch bin hin in die Ewigkeit zu tragen in der Lage ist, denn so spricht Jesus Christus:
HIMMEL UND ERDE WERDEN VERGEHEN ABER MEINE WORTE WERDEN NICHT VERGEHEN...

Ihnen ein gutes, ein gesegnetes 2004

Amen.