Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Johannes 13,31-33a.34-35

Charlotte Augustin

in Kapfenberg - St. Oswald

Liebt einander!

Liebe Brüder und Schwestern!

Im heutigen Evangelium gibt uns Jesus den Auftrag: Liebt einander. Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.

Dieses Gebot macht uns für die Erneuerung der Welt mitverantwortlich, denn nur durch uns Christen kann die Welt Christus erkennen: durch das, was wir sagen und was wir sind. Wir sollen ein Beispiel sein für unsere Mitmenschen. Tag für Tag - in unserem Reden, in unserem Handeln, in unserem Auftreten. Christus hat es uns vorgelebt. Er hat alle Menschen gleich behandelt, niemanden ausgeschlossen und denen geholfen, die ihn brauchten.

Er sagt zu uns: Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. Liebe hat viele verschiedene Eigenschaften: sie verändert den Blickwinkel, weckt das Interesse an Neuem, macht offener, verstärkt die Toleranz, stellt die eigene Person in den Hintergrund, hilft, stützt, tröstet, verbindet und noch vieles mehr.

Jede Gemeinschaft basiert auf Liebe. Entweder der Liebe von Menschen zueinander oder der Liebe zu einer gemeinsamen Sache. Eine Art von Liebe verbindet jeden einzelnen von uns hier herinnen, in dieser Kirche: die Liebe zu Jesus Christus. Ohne diese Liebe wären wir heute alle nicht hier. Wir sind so verschieden in Alter, Bildung und Lebenserfahrung, aber die Liebe zu Jesus und Gott haben wir alle gemeinsam.

Auch unser Umgang miteinander ist von der Liebe geprägt. Es gibt viele verschiedene Arten. Da ist als erstes einmal die Elternliebe. Ihre Charakteristika sind Geborgenheit und Schutz. Eltern lieben und beschützen ihre Kinder. Sie vermitteln ihnen das Gefühl, dass ihnen nichts passieren kann. Die Elternliebe ist die erste und daher wichtigste Liebe, die ein Mensch in seinem Leben erfährt. Zur Elternliebe gehört auch die Liebe zu den Geschwistern und anderen Familienangehörigen. Nichts ist wichtiger für einen Menschen als die Geborgenheit in einer Familie zu spüren.

Die zweite Art von Liebe, die ein Mensch meist erfährt, ist die Freundschaft. Menschen die die gleichen Interessen haben treffen sich und unternehmen gemeinsam verschiedene Dinge. Die Charakteristika sind vor allem Gemeinschaft und Vertrauen. Eine Freundschaft ohne Vertrauen ist hohl und leer. Wenn ich mit jemandem Nichts gemeinsam habe ist es auch nicht sinnvoll mit ihm befreundet zu sein.

Die bekannteste Art der Liebe ist die Partnerschaft. Der Mensch besteht aus Körper und Seele und er möchte mit allem was er hat seinem Partner beweisen, wie sehr er ihn liebt. Diese Art von Liebe verändert einen Menschen oftmals. Das ICH wird hinter das WIR zurückgestellt. Die Partner sagen JA zu einander und unterstützen sich gegenseitig in allen Situationen. Ein Sprichwort sagt: Wer trägt, wird getragen. Zwei Menschen stützen sich gegenseitig auf ihrem gemeinsamen Lebensweg. Wer liebt wirkt letztlich genauso für sich selbst wie für den anderen, denn wahre Liebe lässt jeden Beteiligten erfüllt zurück.

Zu den Grundeinstellungen des Menschen gehören die Nächstenliebe und die Selbstliebe. Für viele ist es ganz selbstverständlich jemand anderem zu helfen. Auch wir Christen sind dazu aufgerufen. Die Nächstenliebe oder Caritas zählt zu den wichtigsten Aufgaben jeder Pfarrgemeinde. Damit meine ich aber nicht die wöchentlichen Caritassprechstunden, sondern die Art und Weise wie wir miteinander umgehen. Nehmen wir uns Zeit anderen zuzuhören oder haben wir es eilig und laufen schnell wieder zum nächsten Termin? Ist es für uns selbstverständlich da zu sein, wenn wir gebraucht werden oder müssen wir erst lange gebeten werden? Jesus fordert uns auf, seinem Beispiel zu folgen. Nehmen wir uns jeden Tag ein wenig Zeit, dies zu tun. Dabei dürfen wir uns selbst aber nicht außer Acht lassen. Nächstenlieben funktioniert nämlich nur dann, wenn ich mich selbst annehmen kann. Ich muss mein eigenes Dasein gutheißen um jemand anderem sagen zu können: Es ist gut, dass du bist.

Zum Abschluss möchte ich ihnen ein Zitat von Meister Eckehart mitgeben:
Die wichtigste Stunde ist die Gegenwart, der bedeutendste Mensch der, der dir gerade gegenüber steht, und das wichtigste Werk ist die Liebe.

Amen.