Foto von aufgeschlagenen Büchern

Ansprache anläßlich der Einführung der Konfirmanden

Pfarrer Ottmar Arnd

in der Evangelischen Kirchengemeinde Neunkirchen/Modautal (01/02)

Luftballons am Frühlingshimmel

Vorbemerkung:
Jeder Konfirmandenjahrgang gestaltet für den Einführungsgottesdienst ein Symbol, der dann "sein" Bild ist, das auf einer Holztafel das ganze Jahr über den Kirchenraum verschönert. Die besagten Konfirmanden hatten diesmal das Symbol "Luftballons am Frühlingshimmel" für sich ausgewählt und gestaltet: 27 Luftballons, aus Pappe ausgeschnitten, bunt angemalt und auf einer Holztafel angepinnt, versehen mit den wichtigsten Daten der Konfis, ihren Hobbies und jeweils einem Passbild. Und zu dem jeweiligen Symbol wird dann die Ansprache gehalten.

Liebe Gemeinde, liebe neue Konfirmanden

So, jetzt hab ich die "Ehre" einige "tiefe" Gedanken - genauer gesagt 4 gedankliche Aspekte - zu Eurem Symbol loswerden zu dürfen.
Also - wenn ich mir Euer Bild so betrachte ist mein erster Eindruck:
ES WIRD ENG...
Es sind zwar keine 99 Luftballons, sondern nur 29 - aber auch das, 29 Konfirmanden, ist Rekord in meiner Zeit als Pfarrer in Neunkirchen. 29 Konfirmanden - da ist es umso mehr notwendig, aufeinander Rücksicht zu nehmen, ganz genau hinzuhören, was der eine sagt, genau hinzuschauen wies dem andern geht, wo man wen wie verletzt hat, wie man wen ermutigen kann - wenn, ja wenn wir eine gute, ein schöne Zeit miteinander haben wollen. Und das wollen wir ja alle: Runterputzen - das darf um GOTTes und unsret Willen nicht sein. Dazu ist dieses Jahr einfach zu einzigartig, zu wertvoll und zu schnell vorbei.

Der zweite Gedanke, der mir durch den Kopf schießt, angesichts Eures Symbols ist:
ES WIRD VIELFÄLTIG...
Wenn ihr hinschaut, dann bemerkt ihr: Kein einziger Ballon ist gleich. Jeder ist vom andern verschieden. Und so seid auch ihr. Das habt ihr ja schon in den ersten Stunden gemerkt, als wir uns so ein wenig beschnupperten: Der eine mag Fussball, die andre bekommt schon einen Nervenzusammenbruch wenn sie einen Ball nur sieht. Die eine singt gern, der andre brummelt nur mehr vor sich hin.

Wir sind verschieden - und doch soll jeder in unsrer Konfirmandenzeit zu seinem Recht kommen. Das gelingt nur, wenn wir dieses Jahr als unsre Chance sehen, gut miteinander umzugehen. Vielleicht ein bisschen anders als sonst, vielleicht ein wenig verantwortungsvoller angesichts des gemeinsamen Ziels, etwas zu lernen und auch viel Spass zu haben.

Der dritte Gedanke der mir zu eurem Bild einfällt:
Es wird chaotisch: 29 Luftballons, und alle fliegen in ihre Richtung, wehe wenn sie so fliegen wie auf diesem Bild-völlig losgelöst...Dann schwingt sich der eine in luftige Höhen, der andre lässt sich schon nach ein paar Metern wieder ins weiche Gras fallen, der andere verheddert sich vielleicht sogar im Gestrüpp, das zunächst so anziehend aussah. Es wird chaotisch - wenn, ja wenn die Disziplin zu kurz kommt. Ein solch grosser Kurs braucht ganz besonders Regeln im Miteinanderumgehen-und wir sind schon dabei, solche nicht nur aufzustellen sondern sie auch zu leben, denn die ersten Stunden empfand ich als sehr angenehm. Ein solch grosser Kurs braucht weiterhin auch unbedingt jemanden, der die Fäden in der Hand hält, der sagt, wo's lang geht. Dazu bin ich gerne bereit.. Letzter Gedankensplitter zum Symbol:

Es wird bunt und farbig: Ja - Ich hoffe natürlich, dass auch ihr so farbig seid wie eure Ballons. Dass ihr das ,was ihr könnt, denkt und fühlt einbringt, dass ihr, wenn ihr etwas über GOTT erfahren wollt, auch bereit seid, Eure Gedanken darüber zur Diskussion zu stellen, dass ihr bereit seid auch neue Erfahrungen zuzulassen, wie zB beim Praktikum Im Wunderland der Phantasie, dass ihr euch nicht nur faul zurücklehnt und sagt: So Herr Arnd, jetzt machen sie uns mal ein schönes Jahr... Dann können wirs vergessen, dann stehen wir am Ende so da, wie die vier Bettler.

Eine alte indische Geschichte erzählt von vier Bettlern, die sich zufällig eines Abends in einer verlassenen Hütte trafen. Den ganzen Tag hatten sie gebettelt und nun saßen sie um ein spärliches Feuer und beobachteten einander voller Misstrauen.

Nun war es so, dass der erste Bettler nichts in seinem Korb hatte als etwas Fleisch. Der zweite hatte ihn halbvoll Gemüse, der dritte konnte einige Gewürze vorweisen und der vierte besaß eine Handvoll Reis.

Einer von ihnen machte den Vorschlag, sie sollten einen Topf mit Wasser über das Feuer hängen und jeder sollte den Inhalt seines Korbes dazugeben, so würde eine gute Mahlzeit für jeden herausspringen.

Diese Idee wurde von allen vieren gutgeheissen und die Vorbereitung unverzüglich getroffen. Aber der erste Bettler dachte, die Suppe würde ohne sein Fleisch auch sehr gut schmecken, und so tat er nur so, als ob er das Fleisch in den Topf legte. Die gleichen Überlegungen stellten aber auch alle andern an und so behielt jeder sein eigenes Bettelgut für sich. Als der Topf schliesslich vom Feuer genommen wurde, war nichts darin als heisses Wasser. Es heisst, dass in dieser Nacht der Streit kein Ende nehmen wollte...

Ja, wenn jeder von Euch nur so tut als ob..als ob er Interesse hat, als ob es ihm Spass macht, als ob er mit Eifer dabei ist, ihr aber dann in eurem Lebensalltag den Coolen raushängt und mit Kirche und Glauben nichts aber auch gar nichts zu tun haben wollt - dann wird aus der buntesten Truppe bald eine graue, zähe Masse, und es bleibt nichts über als heisses Wasser-oder, um bei eurem Symbol zu bleiben-heisse Luft. Schade um ein verlorenes Jahr .Dass ihr so nicht seid, dessen bin ich mir sicher, denn was einige von euch heut zur Verschönerung dieses Einführungsgottesdienstes beigetragen habt, das find ich schon bärenstark. Ihr wart mutig - ohne zu fragen, ob da vielleicht einige lachen oder komisch gucken. Hut ab. Ich hätt mich das mit 13/14 nicht getraut. So kanns weitergehn. Dann erreichen die 29 Luftballons ihr Ziel - den 7. Himmel der Neukirche Konfirmandenglückseligkeit - und wir zeigen allen Miesepetern, die meinen Kirche, das sei ein auslaufender Verein, dass GOTTes Kirche immer noch lebt- und zwar gar nicht schlecht...

Amen