Foto von aufgeschlagenen Büchern

Radioansprache mit dem Titel „Fasset Mut und habt Vertrauen!“ (Kündet allen in der Not, Gotteslob 106)

Ursula Zeh (rk)

22.12.2010 in der Sendung Abendgedanken im SWR 4

Hier die Predigt hören.

 

 

Dies ist die 3. Ansprache im Rahmen einer Strecke von 4 Sendungen vom 20.-23.12.2010, der ich den Titel "I have a dream" gegeben habe. Zu dieser Reihe gehören die Sendungen: Der Traum des Jakob (Genesis 28,10-17; Wir müssen nicht in den Himmel steigen, um Gott begegnen zu können: Er kommt zu uns herunter), Der Traum des Josef (Matthäus 1,18 - 25; Josef von Nazareth, der Verlobte Marias, ist ein Mann, der seinen Träumen traut. Damit trägt er mit dazu bei, dass Gott in die Welt kommt und in der Welt sein kann); „Dann werden die Augen der Blinden geöffnet…“ (Jesaja 35, 5; In Träumen steckt die Kraft, die Welt zu verändern).

 

Guten Abend.

Eine Geschichte erzählt von einem Wettlauf der Frösche auf die Spitze eines hohen Turms. Viele Frösche kamen, um sich dieses Spektakel anzuschauen. Allerdings glaubte keiner von den Zuschauern daran, dass es ein Frosch schaffen würde, die Turmspitze zu erreichen. Als der Wettlauf begann, waren also nur skeptische Sätze zu hören: „Die Armen, das schaffen die nie!“ „Mit solchen kurzen Beinen kann das doch gar nicht gehen!“ „Die quälen sich alle umsonst!“ Und tatsächlich: Ein Frosch nach dem anderen gab auf. Die Zuschauer fühlten sich bestätigt. So riefen sie den Fröschen, die noch weiterkämpften, zu: „Hört auf, das hat keinen Sinn!“ „Seht ihr nicht, dass ihr euch zu viel vorgenommen habt?“ Nach und nach gaben sich auch die letzten Frösche geschlagen – nur einer hielt unverdrossen durch und es gelang ihm mit letzter Kraft, die Spitze des Turmes zu erreichen. Als die anderen ihn voll Bewunderung fragten, wie er das denn geschafft hatte, merkten sie – dass er taub war!

Ich habe diese Geschichte vom Wettlauf der Frösche in einem Gehörlosengottes-dienst kennengelernt. Für hörgeschädigte Menschen ist das eine Mut-mach-Geschichte, denn sie zeigt, dass man auch mit einer Behinderung große Ziele erreichen und Träume verwirklichen kann, und dass sich ein Handicap manchmal sogar als Vorteil erweist.

Aber diese Geschichte ist auch eine Mahn-Geschichte. Sie warnt vor den Stimmen, die sagen: „Das kannst du sowieso nicht.“ Oder: „Du bist zu klein, zu dumm, zu arm…“ Oder: „Gib auf, die Anstrengung lohnt nicht.“ Wer von vornherein auf solche Stimmen hört – egal ob sie von außen oder von innen kommen –, der hat schon verloren.

Uns werden in diesen adventlichen Tagen ganz andere Sätze zugesprochen. Da heißt es „Fasset Mut und habt Vertrauen!“ oder „Macht euer Herz stark!“ oder „Sorgt euch um nichts!“ Und immer wieder „Fürchte Dich nicht!“ Mit diesen Worten im Herzen wurde für Elisabeth und Zacharias, Verwandten von Maria, der Traum von einem Kind noch im hohen Alter wahr. Mit diesen Worten im Herzen konnten Maria und Josef sich darauf einlassen, die Eltern von Jesus zu werden, dem Retter und Heiland der Welt. Mit diesen Worten im Herzen kann auch ich an meinen Träumen – den großen und den kleinen – festhalten und mich unbeirrt von den Entmutigungen aller Bedenkenträger, Miesmacher und Berufspessimisten dafür einsetzen und dafür kämpfen. Und mir dabei sagen lassen: „Hab Mut, fürchte dich nicht!“