Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt zur Christvesper

Pastor Dominic Schmidt (emk)

24.12.2011 im Gemeindezentrum der evangelisch-methodistischen Kirche in Friedrichshafen

Christvesper am Heiligen Abend 2011

Was ist die Hauptsache an Weihnachten?

Hören Sie die Predigt undefinedhier.

 

Die EmK in Friedrichshafen ist eine Neugemeindegründung mit derzeit 36 Gliedern.
Der Predigt ging eine zweiwöchige Einladeaktion zum Christvesper Gottesdienst in einem angrenzenden Wohngebiet voraus. Es wurden 600 Wohneinheiten besucht, und zu großen Teilen persönlich zum Gottesdienst eingeladen. Gerade am Hl. Abend ist die Hoffnung groß, den einen oder anderen zu einem Gottesdienstbesuch einladen zu können - diese Chancen wollte ich mir als Pastor und wir als Gemeinde nutzen um Menschen mit dem Evangelium bekannt zu machen.
Die homiletische Reflexion richtet sich an nur begrenzt kirchlich-sozialisierte (sprich Religionsunterricht aus der Schule) Kinder im Alter von ca. 8-10 Jahren.

 

 

Liebe Festgemeinde
Zunächst eine Geschichte …
„Die Tiere stritten sich einmal darum, was wohl die Hauptsache an Weihnachten sei.
 „Das ist doch klar“, sagte der Fuchs, „ der Gänsebraten.
Was wäre Weihnachten ohne Gänsebraten?“.
Der Eisbär widersprach: „Schnee muss sein, viel Schnee! Weiße Weihnachten, das ist es.“
Das Reh aber sagte: „der Tannenbaum ist es! Ohne Tannenbaum gibt es kein ordentliches Weihnachten.“
„Aber nicht mit so vielen Kerzen“, heulte die Eule, „ schummrig und gemütlich muss es sein.
Die Weihnachtsstimmung ist die Hauptsache.“
Und die Elster krächzte: „Schmuck, ich will Schmuck. Ein Ring ein Armband.
Dann ist Weihnachten.“
„Und die Kekse erst“, brummte der Bär.
„Und saufen“, dröhnte der Ochse, mal richtig saufen und dann schlafen, schlafen…“
Aber dann schrie er plötzlich: „Au!“
Der Esel hatte ihm einen kräftigen Huftritt verpasst: „Du blöder Ochse, denkst du denn gar nicht an das Kind?“
Da senkte der Ochse beschämt den Kopf und sagte: „Das Kind, ja richtig, das Kind, das war doch die Hauptsache.“
Nach einer Weile fragte er den Esel: „Du, Esel wissen das die Menschen eigentlich auch?“ “
Ja, das ist eine gute Frage, die der Ochse da stellt…
Wenn ich jetzt, da der Ochse schon manches verraten hat, mal frage was die Hauptsache von Weihnachten denn eigentlich ist, so würde bei den Meisten die Antwort vermutlich wie folgt lauten:
Ja, völlig klar da ist Jesus Gottes Sohn geboren.
 
Schöne Antwort, aber es ist m. E. nur ein kleines Indiz für das, was die Hauptsache von Weihnachten wirklich ist.
Sicher, Gottes Sohn Jesus, wurde in diese Welt geboren. Und über die Geburt eines Kindes an sich könnten wir uns schon freuen.
Doch Jesus wurde vor über 2000 Jahren geboren.
Was also hat das mit mir in der heutigen Zeit zu tun?
Das, liebe Festgemeinde versteht man erst, so glaube ich, wenn wir die ganze Geschichte von Jesus und die Geschichte Gottes mit den Menschen zusammen im Blick behalten.

Zunächst also, ein kleiner Rückblick:
Am Anfang schuf Gott Adam und Eva.
Er schuf sie um ein Gegenüber zu haben und zu zweit, dass sie einander hatten. Dabei war Vertrauen sehr wichtig - wie auch heute in einer Beziehung.
Doch Adam und Eva verletzten das Vertrauen Gottes und das Vertrauen ineinander. Sie wollten mehr als nur Menschen sein. Und für ihr Fehlverhalten schoben sich auch noch gegenseitig die Schuld dafür zu.
Wie verletzend so etwas sein kann kennt wohl jeder dessen Vertrauen schon einmal verletzt wurde
 
Nun, da das Vertrauensverhältnis zwischen Gott und den Menschen und zwischen den Menschen selbst gebrochen war, begann das Elend der Menschheit.
Denn auch der Friede Gottes, der Respekt den die Menschen gegenüber Gott, sich selbst und der Natur am Anfang noch hatten war zerstört.
Und die Folgen davon erleben wir bis heute.
Denn, wenn wir die Geschichte der Erschaffung der Welt, von Adam und Eva und dem Vertrauensbruch im Hinterkopf behalten, können wir dieses Elend meist tagtäglich erleben.

Jeden Tag sehen wir in den Nachrichten, im Kindergarten, in der Schule, in Ausbildung, Studium und auf unserer Arbeitsstelle, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Gott und den Menschen gebrochen ist.
Von Friede und Respekt voreinander ist oft nichts zu sehen und zu spüren. Denn der ursprüngliche von Gott gegeben Friede wurde zerstört.
Viele Menschen, mich eingeschlossen, so erlebe ich es oft, leben meist so vor sich hin, lügen immer mal wieder, versuchen sich einen Vorteil zu verschaffen, pflegen ihre Eitelkeiten und vieles mehr.
Wahrscheinlich hat der ein oder andere so ein Verhalten auch schon an sich oder anderen erlebt.

Das war zu Beginn der Zeit ganz genauso. Nachdem Adam und Eva das Vertrauen Gottes missachtet hatten, nahm die Geschichte ihren Lauf.
Menschen waren böse zueinander, fügten einander Leid zu, Andere hofften wiederum auf bessere Zeiten.
Denn viele Menschen wollten auch schon damals Gott nahe sein und das, was da am  Anfang schief gelaufen war wieder rückgängig machen.
So erlaubte ihnen Gott ihm durch ein bestimmtes Verhalten und Einhaltung von vielen guten Weisungen nahe zu sein.
Doch es klappte einfach nicht. Egal wie sehr man sich bemühte, wie sehr man sich auch anstrengte, dieses Vertrauensverhältnis zwischen Mensch und Gott, konnte kein Mensch wiederherstellen.
Und irgendwann kam auch Gott zu dem Entschluss, dass es so nicht mehr weitergehen kann.

Gott möchte ja Kontakt zu den Menschen haben.
Er möchte, dass jeder Mensch mit ihm eine Beziehung eingehen kann.
Das jeder Mensch seine Liebe und Zuwendung spürt.
Und dann kommt der Moment, den wir heute Nacht und morgen früh feiern.
Gott sandte seinen Sohn Jesus in diese Welt – als kleines Baby.
Dadurch wurde Gott Mensch und konnte den Menschen auf gleicher Ebene begegnen.
Jesus hatte die Aufgabe, den Menschen von Gott zu erzählen, ihnen klar zu machen, dass Gott nicht so fern ist wie sie immer denken.
Gott wollte den Menschen durch Jesus nahe sein.
Das gefiel einigen Menschen, und anderen Menschen wiederum nicht.
Manche Menschen glaubten nicht daran, dass Jesus Gottes Sohn war.
Und zudem konnten sie sich nicht vorstellen, dass Gott sie einfach so akzeptiert wie sie als Mensch sind.
Sie glaubten bisher immer, dass Gott ein strenger Gott sei, der von den Menschen allerlei gute Taten verlangt.
Denn bisher konnten die Menschen ja immer nur vermuten wie Gott war und was er von ihnen wollte.
Da Jesus aber Gottes Sohn ist, wusste er genau wie Gott mit den Menschen leben und welche Weisungen er ihnen geben wollte und er klärte sie auf.
Doch viele der Menschen konnten das so nicht akzeptieren und unterstellten Jesus, dass er lügt.

Die Menschen aber, die daran glaubten was Jesus von Gott erzählte, freuten sich und erzählten es unter Freuden anderen Menschen. Das erzeugte Unruhe, was wiederum den Gegnern Jesu nicht gefiel.
Und schließlich wurde Jesus getötet.
Nach drei Tagen ist er auferstanden von den Toten.
 
Doch durch seinen Tod, und das Gott Jesus von den Toten aufgeweckt hatte wurden die Menschen frei. Der heiligste, reinste und einzige Mensch, der ganz und gar ohne Fehlverhalten war, Jesus,  starb für alle anderen Menschen.
Dadurch hat Gott den Menschen damit ein Geschenk gemacht. Er selbst wurde durch Jesus Teil der Menschheit. Gott schenkte mit dem Tod seines Sohnes den Menschen die Möglichkeit wieder auf ihn zu Vertrauen.
Das ursprüngliche Fehlverhalten, der Vertrauensbruch von Adam und Eva wurde so von Gott  einfach wieder richtig gestellt.

Das ist das wir an Ostern feiern.
Ab diesem Zeitpunkt, ab Ostern, hat Gott dadurch, dass sich Jesus für jeden Menschen am Kreuz hingegeben hat, den Weg frei gemacht.
Frei gemacht, dass wir zu Gott im Leben einfach nur JA sagen und nicht zwanghaft irgendwelche Leistungen für Gott erbringen müssen. 
Gott selbst lädt uns ein mit ihm durchs Leben zu gehen. Natürlich nach seinen Weisungen, aber nach Weisungen, die ein freieres Leben versprechen – keinen Zwang.
 
So können wir Gott ohne Einschränkung nahe sein.
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Doch heute Abend und in den nächsten Tagen feiern wir ja Weihnachten und nicht Ostern.
Aber Gott hat mit der Geburt Jesu einen Teil von sich, nämlich seinen Sohn in diese Welt gesandt.
Und im Laufe der Geschichte ist sein Sohn für die Menschen gestorben, um Freiheit in der Beziehung zwischen Mensch und Gott zu schaffen.
Gott, der die Welt und dich erschaffen hat,  lädt dich ein, mit ihm in Kontakt zu treten.

Und das liebe Festgemeinde
ist nur möglich, weil Jesus als kleines Baby, wie du und ich in diese Welt kam.
Das ist das was wir an Weihnachten feiern:
Und weil uns Gott dieses große Geschenk gemacht hat, deshalb schenken wir uns an Weihnachten auch Geschenke.
Das größte Geschenk an Weihnachten ist nicht das eingepackte unter dem Weihnachtsbaum, sondern dass das Gott dich beschenkt mit der Geburt seines Sohnes.
Durch ihn, Jesus, lädt er dich ein, ihm in die Freiheit zum Vertrauen auf ihn zu folgen.
AMEN