Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 5,8

Pfarrer Joachim Zirkler (ev)

02.06.2011 in der Kreuzkirche in Dresden (DEKT, Übertragung ARD)

Christi Himmelfahrt

Hier die Predigt hören.

 

 

Liebe Gemeinde,

 

Jesus sind Herzensangelegenheiten wichtig. Er sagt: „Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“ (Matthäus 5, 8)

 

Ärzte machen sich ihre Gedanken über das Herz. So weisen Herzspezialisten immer wieder auf die Ursache von Infarkten hin. Kalkablagerungen in den Blutbahnen bilden sich durch fehlende Bewegung, falsche Ernährung und Stress.

 

 „Selig sind, die reinen Herzens sind...“

 

Seit alters wird das Herz mit dem Sitz der Gefühle, der Seele und der Liebe gleichgesetzt. Wir können unser Herz verlieren und wir können es verschenken. Gleichzeitig schlägt es in uns mit pulsierender Lebendigkeit. In unseren Gefühlen können wir an Gefäßverengung leiden, der Energiefluss der Liebe zwischen Menschen kann gestört werden, in der Seele kann sich „Kalk“ ablagern.

 

„Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.

Antoine de Saint Exupéry sagt: « Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.»

Dieses Sehen will gelernt sein.

 

Wir brauchen Menschen mit Herzensbildung. Die gelernt haben, mit Herzaugen zu sehen.

 

Als der Zivildienstleistende den ersten Tag ins Heim kam, sagte ihm ein Pfleger: „Die Alten bekommen nichts mehr mit. Mach einfach deinen Job und fertig.“ So trat er seinen Dienst an. Einmal pfiff er morgens die Melodie „Geh aus, mein Herz und suche Freud“. Eine Heimbewohnerin, die immer apathisch in ihrem Bett lag, bewegte den Mund und sang leise mit. Fünf Strophen. Wenn er früh Dienst hatte, kam er jetzt zuerst in ihr Zimmer, schaute sie an und begann „Geh aus, mein Herz…“zu singen. Sie strahlte und sang mit. Das war zu ihrem gemeinsamen Ritual geworden. Ein kleines Stück Himmel auf der Erde.

Er hatte mit Herzaugen sehen gelernt.

 

„Herzensbildung“ als Lehrfach in jeder Ausbildung – das wäre Bildungsreform! Von Liebe, die das Herz bildet, hat Jesus geredet: „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit ganzer Kraft und deinen Nächsten wie dich selbst.“

Liebe braucht ein gebildetes Herz, das sehen gelernt hat.

Wenn unser Herz für Gott schlägt, dann schlägt es – zweifach verwurzelt - im Himmel und auf der Erde. Dann schlägt es für unseren Nächsten und es schlägt für uns selbst.

 

„Wie alt willst du denn noch werden, bis du mal eine Freundin hast?“ – so hatte ihn der Vater oft genervt. Als er schließlich allen Mut zusammen nahm und seinen Freund zu Hause mit den Worten vorstellte: „Wir gehören jetzt zusammen.“ hatte Vater zu ihm gesagt: „Du bist nicht mehr mein Sohn!“

Ein halbes Jahr später saßen sie das erste Mal alle beim Kaffee zusammen. Vater entwickelte Ideen für den Garten, den der Sohn mit seinem Partner gepachtet hatte.

„Nächstes Wochenende baue ich das Gewächshaus auf, mein Junge.“ Als die beiden gegangen waren, dachte er immer an den Garten. Eine Strophe von „Geh aus, mein Herz“ kam ihm über die Lippen: „…schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben…“ Die Liebe zu seinem Kind hatte seinen Blick verändert. Herzaugen können bis in den Himmel schauen.

 

Mit einem solchen Blick werden unsere Mitmenschen nach ihrem Herzen beurteilt. Nicht danach, ob sie so sind wie wir. Nicht nach ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einer Religion oder Konfession.

Es kommt darauf an, den Herzaugen – Blick zu schulen. Dieser Blick bedeutet Heilung. Er senkt das Infarktrisiko der menschlichen Beziehungen.

 

Das Herz braucht die Beweglichkeit des Körpers damit es funktioniert und es braucht genauso die Beweglichkeit des Denkens und der Seele. Der Herzschlag des Lebens wird neu zu spüren sein, wenn wir alle Ablagerungen aus den Bahnen des Denkens und der menschlichen Beziehung spülen und die Seele vom Kalk der Vorurteile befreien. Dann kann die Liebe durch freie Gefäßbahnen fließen. Dann kommt uns der Himmel nah.

„Selig sind, die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott schauen.“

Und der Friede Gottes, der all unser Verstehen und Begreifen übersteigt, bewahre unsere Herzen in Christus Jesus. Amen.