Foto von aufgeschlagenen Büchern

Predigt über Matthäus 28,1-10

Dr. Stefan Tertünte (rk)

23.04.2011 in St. Marien in Oberhausen

Osternachtmesse

Vorbemerkung: zu halten in der Weise von Sabine Töpperwien, Radiokommentatorin von Fussball-Bundesliga-Spielen

 

Hier die Predigt hören

 

Herzlich willkommen, meine Damen und Herren, herzlich willkommen zur Live-Berichterstattung vom diesjährigen österlichen Dreikampf, genauer gesagt zur 2011. Auflage unseres österlichen Dreikampfes, der in diesem Jahr aus folgenden Disziplinen besteht:

-          Felsenwälzen

-          Soldatenkicken

-          Wettrennen

Als Protokollanten des diesjährigen Dreikampfes ist es uns gelungen, niemand Geringeres zu gewinnen als Herrn Matthäus Evangelist – herzlich willkommen! – ungeplanter Beifall der Gemeinde

Auf den Rängen der Arena haben sich tausende begeisterter Anhänger versammelt und Millionen an den Radiogeräten wollen sich diesen Wettkampf nicht entgehen lassen.

Und so wenden wir uns der ersten Disziplin zu. Und wir sehen, wie sich Engel auf eine wahrhaft schwere Aufgabe vorbereitet. Denn es gilt, einen Felsbrocken von der Höhle des Tode weg zu bewegen, ein Felsbrocken der Maße 2,20 x 1,20 x 1 Meter – eine im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Herausforderung.

Aber potzblitz –Engel – statt zu schwitzen, zu stöhnen, zu ächzen, nichts von alledem – und mit einer Leichtigkeit sondergleichen befördert er den Felsbrocken von der Höhle des Todes hinweg!! Das hatte sich der Tod mit Sicherheit anders vorgestellt. Und zum ersten Mal erhebt sich begeisterter Applaus von den Rängen für unseren Engel. – Applaus der Gemeinde - Und so mancher fragt sich, woher er diese Leichtigkeit, diese Kraft genommen hat. Und nun setzt er sich, was sage ich, thront er auf dem Felsen, wie auf einer Trophäe, lässig die Beine herabhängend – und, ja, wenn ich es richtig deute von meiner Position, dann erkenne ich ein schelmisches Lachen, gar ein verschmitztes Augenzwinkern. Es macht ihm offensichtlich ein himmlisches Vergnügen, den Tod so eindeutig geschlagen zu haben.

Doch schon tut sich etwas in der zweiten Disziplin des österlichen Dreikampfes. Da stehen sie bereit: zwei gestandene römische Soldaten, zwei bärenstarke Wächter des Todes, die es zu bezwingen gilt. Doch was ist das – ehe es zum richtigen Duell kommt, sinken die dunklen Gestalten in sich zusammen und dahin, bleiben regungslos liegen! Hat sie die Leistung des Engels derart beeindruckt, hat sie das mutige Lachen unseres Engels derart umgehauen? Wie dem auch sei: Technischer K.o. gegen die Wächter des Todes vor dem eigentlichen Duell – Und wieder rauscht der Beifall unzähliger Menschen von den Rängen – Applaus der Gemeinde -  man sieht es ist ein Heimspiel für Engel, ein Heimspiel für das Leben – und wenn ich in die Gesichter der Zuschauer blicke, dann sehe ich Freude, dann sehe ich Begeisterung und den Wunsch, es dem Engel gleich zu tun.

Doch noch hat der Tod eine letzte Chance, das Ruder in diesem Dreikampf herumzureißen. Im abschließenden österlichen Wettrennen geht es darum, welche Nachricht schneller bis zum Schiedsgericht in der Apostelgasse 12 in Jerusalem gelangt, die Nachricht des Todes oder die Frohe Botschaft. Ein Team von in diesem Jahr ausschließlich Frauen wird gleich von Engel auf den Weg geschickt. Auf ihren Gesichtern erkenne ich Freude, aber auch Furcht vor dem Ausgang dieses Rennens. Der Start naht, die Frauen raffen ihre Kleider - und los gehts! Und sie legen einen fulminanten Start hin, beschleunigen und rennen, was das Zeug hält und – aber jetzt, das darf doch nicht wahr sein: Sie schwächeln, sie werden langsamer, wirken erschöpft und bleiben stehen! Unruhe macht sich auf den Rängen breit. Das wird doch nicht das Ende für die Frohe Botschaft sein? Aber genau in diesem Augenblick taucht an ihrer Seite ihr Trainer auf, Jesus, und spricht zu ihnen. Wir können aus unserer Kabine natürlich nicht verstehen, was er ihnen sagt. Doch das Ergebnis ist eindeutig! Die Frauen richten sich wieder auf, raffen ihre Kleider und entschlossener und schneller als je zuvor laufen sie, rennen sie, fast fliegen sie. Keine Frage: die Gute Nachricht landet mit großem Vorsprung als erste in der Apostelgasse in Jerusalem. Und wie sie dort von zwölf Herren freudig und etwas überrascht empfangen werden, so donnert auch hier von den Rängen ein erleichterter Applaus über diesen Ausgang des Wettrennens. – Applaus der Gemeinde -

Und ich schaue in die Runde und sehe jubelnde Anhänger, die sich in den Armen liegen.

Und über meine Kopfhörer teilen mir Kollegen mit, dass zahlreiche Menschen mit dem Gedanken spielen, dass sie selbst beim nächsten österlichen Dreikampf in die Arena steigen wollen, um es dem Engel, um es den Frauen gleich zu tun!

Doch bei aller Begeisterung vergessen wir nicht den Mann, der selbst heute nur kurz in Erscheinung getreten ist, den Mann, ohne den dieser Sieg weiß Gott nicht möglich gewesen wäre, den Trainer, unseren Jesus aus Nazareth, von dem auch in diesem Augenblick des Jubels nichts zu sehen, aber doch so viel zu spüren ist.

Meine Damen und Herren, unsere Live-Berichterstattung nähert sich dem Ende. Ich hoffe, Sie haben mitgefiebert, mitgelitten, mitgejubelt bei diesem grandiosen Sieg im österlichen Dreikampf. Und wer weiß – vielleicht haben Sie ja die Lust in sich gespürt, selbst zu denen zu gehören, die den nächsten österlichen Dreikampf austragen, wenn es wieder darum geht, dem Tod die Rote Karte zu zeigen. Welche die Disziplinen es im nächsten Jahr sein werden, ist heute noch nicht bekannt gegeben worden. Es müssen keine Felsbrocken, keine römischen Legionäre, kein Wettrennen sein. Unser Trainer Jesus wird Sie schon richtig österlich vorbereiten.

Das wars fürs Heute, von einem wieder einmal denkwürdigen österlichen Event. Und während sich die Feiern auf den Rängen weiter gehen, verabschiede ich mich von Ihnen für dieses Mal. Danke fürs Zuschauen, Danke fürs Zuhören. Und - bleiben Sie uns treu!

- ungeplanter Applaus der Gemeinde -