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Predigt über Johannes 21,15-17

Tina Tschage (FeG)

18.11.2009 Bibel TV - Andacht zum Tag

Hier die Predigt sehen

 

 

 

Jesus lieben

„Als sie nun das Mahl gehalten hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Lämmer! Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Er spricht zu ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe! Spricht er zum dritten Mal zu ihm: Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb? Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe. Spricht Jesus zu ihm: Weide meine Schafe!“

 

(Johannes 21,15-17)

 

Liebe Zuschauer, ich möchte Sie mit hinein nehmen in eine Begegnung vor rund 2000 Jahren.
Da ist dieser neue Prophet, der durch die Lande zieht. Sein Name ist Jesus. Die Leute, die ihm nachfolgen, nennen sich Jünger, oder anders ausgedrückt: Schüler.
Dieser Jesus hat eine Menge Schüler. Einer von ihnen ist Simon Petrus. Er ist eigentlich Fischer. Aber eines Tages stand dieser Jesus vor ihm und forderte ihn auf, ihm nachzufolgen. Simon Petrus ließ alles stehen und liegen – weil er die Chancen gesehen hat, die ihm das Leben als Schüler dieses Jesus bieten sollte. Schließlich winkte ihm eine angesehene Ausbildung in hervorragender Schule.
Es dauerte nicht lange, da war Simon Petrus mittendrin in der Schüler-Schar des Jesus. Und er war einer, der immer eine ganz große Klappe hatte. Mehr als einmal sagte er seinem Lehrer Jesus: „Für dich würde ich sogar sterben!“
Jesus sieht das gelassen. Er ist skeptisch. Und macht dem Simon Petrus klar, dass er dies nicht halten können wird.
So kommt es schließlich auch.

Die religiösen Führer des Landes machen sich Sorgen wegen dieses Jesus. Denn der zieht die Massen an. Stiftet Unruhe.
Ich denke, viele von Ihnen kennen die weitere Geschichte.
Jesus wird verhaftet, verprügelt, letztlich zum Tod am Kreuz verurteilt. Man wollte ihn aus dem Weg schaffen, auf dass wieder Ruhe im Land einkehre.

Simon Petrus, der Mann mit der großen Klappe, ist immer an der Seite von Jesus.
Bei der Verhaftung hackt er einem Soldaten das Ohr ab – weil er nicht verstehen kann, was gerade geschieht.
Dann wird Jesus dem obersten jüdischen Gericht vorgeführt, dem Hohen Rat – und Simon Petrus versucht, immer in Jesus Nähe zu bleiben.
Und dann kommt es, wie es kommen muss: Simon Petrus wird von den Leuten gefragt: „Kennst du den eigentlich?“
Drei Mal wird er gefragt – und drei Mal antwortet er: „Nein, ich kenne diesen Mann nicht!“
Es kommt genau so, wie Jesus es vorausgesagt hatte: Simon Petrus verleugnet Jesus. Der, der für Jesus sterben wollte, kennt ihn plötzlich nicht einmal mehr.

Dann kommen die ganzen Geschehnisse, die wir heutzutage am Osterfest feiern: Jesus wird gekreuzigt, begraben, und er steht von den Toten auf. Jesus lebt.
Das ist das größte und wichtigste Fest für uns Christen – Jesus Christus, der Herr, lebt!

Die Tage nach der Auferstehung von Jesus waren für die Jünger, für die Schüler Jesu, eine emotionale Achterbahnfahrt.
Die meisten hatten keine Ahnung, wie es weitergehen soll – selbst nach der Auferstehung; selbst dann noch, als Jesus nach seiner Auferstehung leibhaftig vor ihnen steht.

Und dann kommt dieser Morgen am See Genezareth.
Einige der Jünger tun das, was sie immer getan hatten – sie fischen.
Auch Simon Petrus ist dabei.
Auf einmal steht Jesus am Ufer und serviert ihnen Frühstück und hält ein bisschen Smalltalk mit seinen Jungs.
Irgendwann an diesem Morgen nimmt er den Petrus zur Seite – denn sie hatten ja noch was zu klären.
Und dann kommt folgender Dialog, aufgeschrieben im Johannesevangelium, Kapitel 21:

 

„Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieber, als mich diese haben?“
Er spricht zu ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“
Spricht Jesus zu ihm: „Weide meine Lämmer!“
Spricht er zum zweiten Mal zu ihm: „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?“
Er spricht zu ihm: „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“
Spricht Jesus zu ihm: „Weide meine Schafe!“
Spricht er zum dritten Mal zu ihm: „Simon, Sohn des Johannes, hast du mich lieb?“
Petrus wurde traurig, weil er zum dritten Mal zu ihm sagte: Hast du mich lieb?, und sprach zu ihm: „Herr, du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe.“
Spricht Jesus zu ihm: „Weide meine Schafe!“

 

Drei Mal hatte Petrus seinen Lehrer Jesus verleugnet. Drei Mal muss er sich nun diese Frage gefallen lassen: Liebst du mich?

Die ersten beiden Male fragt Jesus: „Liebst du mich?“

Dabei benutzt er das Wort für Liebe, das wert ist, die Liebe Gottes auszusagen: Das griechische Verb agapao.
Petrus traut sich aber nicht, mit demselben Wort zu antworten – er antwortet etwas unverbindlicher: „Ja, ich habe dich lieb“ – das griechische Wort hierfür ist phileo. Dieses meint eher die brüderliche Liebe.
Zwei Mal geht das so. Göttliche Liebe gegenüber brüderlicher Liebe.
Erst beim dritten Mal fragt Jesus: „Hast du mich lieb?“

Jesus begibt sich hinab auf die Stufe des Simon Petrus. Er kommt seinem Schüler entgegen. Auf Augenhöhe.
Petrus antwortet einmal mehr: „Ja, ich habe dich lieb.“ Aber so lieben wie Jesus, das will – das kann er für sich nicht in Anspruch nehmen…!

Auf die Liebesbekenntnisse des Petrus hin sagt Jesus drei Mal: „Weide meine Schafe“. Oder anders ausgedrückt: „Wenn du mich liebst, dann diene mir.“
Die Liebe des Petrus kann sich nur in einem zeigen: Im Dienst.

Zwei Dinge werden mir bei diesem Text wichtig.
Erstens: Egal, was ich angestellt habe – auch wenn ich Jesus verleugnet habe: Er fragt mich, ihn zu lieben. Trotzdem zu lieben. Immer noch zu lieben.
Jesus lässt mich nicht los. Im Gegenteil. Er geht auf mich zu, nimmt mich zur Seite und fragt liebevoll: „Liebst du mich?“.
Und ich darf mit „Ja“ antworten! Ich darf Jesus lieben, weil Seine Liebe zu mir nie endet.
Ich kann nichts tun, damit Jesus mich mehr liebt; ich kann aber auch nichts tun, damit er mich weniger liebt!
Zweitens: Meine Liebe zu Jesus wird sich in Taten zeigen. Sie müssen nicht groß sein. Aber sie werden sein. Jesus selbst ruft mich in seinen Dienst. In liebevollen Dienst. In kleinen und in großen Dingen.